© DJV-Kurier 66 Dresden, 2008, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

 

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Halbnordisch in der tschechischen Hauptstadt!

 Printmedien in Tschechien

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 Auflagen der Tageszeitungen:
 Blesk 550.000
 Mlada Fronta Dnes 370.000
 Pravo 250.000
 Lidove noviny  100.000
 Hospodarske Noviny 80.000
 Deniky Bohemia/Moravia 60.000
 
 Auflagen Wochenzeitungen:
 Tyden 100.000
 Reflex 79.000
 Ekonom 30.000
 Respekt 24.000
 Prager Zeitung 22.000

Die Prager Zeitung
             ...aus der Mitte Europas
Im Januar 2009, da beginnt die erste halbjährige tschechische EU-Präsidentschaft, weht auf dem Dach Europas das blau-gelbe Sternenbanner. Was für ein Bild! Das mit dem Dach dürften tschechische Geografen in die Welt gesetzt haben, denn alle Bächlein, Flüsse und sonstige Wässer fließen nach deren Erkenntnis weg aus dem rund 80.000 Quadratkilometer umfassenden Land der Böhmen und Mähren in den Rest der Welt. Das mit der Europa-Fahne ist eine Fiction, die umstritten ist in Politischen Kreisen rund um die Prager Burg. Prominentester Gegner dieses Bildes ist Provokateur Vaclav Klaus. Für ihn, den passionierten Umweltschutzkritiker und gelegentlichen Fettnäpfchenplanscher, ist der Gedanke der EU-Flagge auf dem Hradschin ein Greuel. Vereinnahmung! Nicht noch einmal zumutbar für die Tschechen, nach Fernsteuerungserfahrungen mit Österreich-Ungarn, Großdeutschland, Warschauer Pakt, RGW und Moskau. Und jetzt Brüssel und Strasbourg. Solche Hintergründe, Emotionen sowie die Motive solchen Denkens kann auf Anhieb nur erkennen, wer tief in die Seele des tschechischen Volkes und dessen Politiker Einblick hat. Smetana hören und Nemcova lesen, reicht da nicht aus. Uwe Müller, dürfte zu den wenigen praktizierenden nichttschechischen Journalisten gehören, denen es gelingt, die Prager Innen- und Außenpolitik sowie wirtschaftliche und militärstrategische Überlegungen und Entscheidungen hintergründig zu analysieren und zu bewerten. Seit Beginn der 80er Jahre lebt der gebürtige Zwickauer fast lückenlos in Prag, hat an der Karlsuniversität Geschichte und Slawistik studiert und als Journalist und heutiger Chefredakteur die gesellschaftliche Entwicklung verfolgt. Vielleicht ist er gerade deswegen zurückhaltender als manche Edelfeder, die Analyse und Bewertung schnell mal überspringt, um die ach so einfache deutsche Logik unter allgemeinem Beifall in die Welt hinaus zu posaunen. 

Die Prager Zeitung, in ihrer heutigen Form, ist im wahrsten Sinne sein „Kind“. Ursprünglich wollte Müller nach der samtenen Revolution bei der damaligen Prager Volkszeitung lediglich als Redakteur arbeiten. Seine Ausbildungen und Sachkenntnis beförderten ihn umgehend auf den Chefsessel. Den nahm er dann auch im wahrsten Sinne des Wortes ein. Gegen Beeinflussung des Herausgebers, einem Kulturverein der deutschsprachigen Bevölkerung, und Vereinahmungsversuche deutscher Verlage aus verschiedensten Richtungen und mit unterschiedlichsten Motivationen hat Müller die einzige in Tschechien erscheinende deutschsprachige Wochenzeitung bis heute als eine der wenigen journalistisch-konservativen Medien in der tschechischen Presselandschaft erhalten können. Denn die Boulevardisierung hat auch hier im Lande Egon Erwin Kischs viele Printmedien infiziert. Kann das Blatt mit Erscheinungsweise und Auflage (rund 23.000) dem auch nicht Paroli bieten, so ist es als Informationsmedium für deutschsprachige Touristen, Dienstreisende sowie Vorort Arbeitende und Lebende aber auch für eine nicht unerhebliche Zahl deutschsprachiger Tschechen fast unverzichtbar. redakce2007

Rund 20 meist zweisprachige feste Mitarbeiter produzieren allwöchentlich eine gegenwärtig 24seitige Ausgabe mit vier Büchern im halbnordischen Format. Müller selbst ist Gesellschafter, Geschäftsführender Chefredakteur und Ressortchef Wirtschaft. Damit hat er zugleich auch einen wichtigsten Gesellschaftsbereich ständig im Blick. Denn während sich Politik, Wissenschaft und Management eher anglophil orientieren, ist die bestimmende Wirtschaft und Industrie fest mit den deutschsprachigen Nachbarn verbunden: Bayern. Österreich, und Sachsen. Dass das zu beidseitigem Vorteil ist, bestätigt unter anderem eine Arbeitslosenquote von rund 5 Prozent. Die Zeitung selbst zieht daraus natürlich auch Nutzen: Deutschsprachige Leser, Inserenten und Förderer. Letztere waren vor allem Anfang und Mitte der neunziger Jahre erforderlich. Das Blatt konnte sich damals nur Dank mit der Tschechien abgestimmten finanziellen Hilfe aus Deutschland, Österreich und von der Prager Regierung selbst als unabhängige Tageszeitung etablieren. Mit rund 1 Million Kronen Startkapital ging Müller an den Start. Heute kommt die nötige Finanzkraft ausschließlich aus Werbung, Abonnements und Freiverkauf. Seit Mitte der neunziger Jahre schreibt das Blatt schwarze Zahlen. Eine Erweiterung um die Karlsbader Zeitung hat sich allerdings nicht gerechnet, schon nach einem Jahr wurden die publizistischen Bemühungen um das insgesamt zukunftsträchtige böhmische Bäderdreieck wieder eingestellt. 

Prager Zeitung Abos02

Gelegentlich merkt man der Prager Zeitung die besondere Affinität zur Wirtschaft an. Man bemüht sich. Denn wenn es um die Finanzierung geht, so kräuselt Müller schon etwas die Stirn. Seit dem EU-Beitritt Anfang des neuen Jahrtausends ist das Aufkommen eher rückläufig. Die offensichtliche Hinwendung zur finanzkräftigen Wirtschaft kritisiert hin und wieder auch die Leserschaft. Denn diese ist natürlich viel bunter als oben erwähnt. Und so wollen Vertriebene und Auswanderer eben andere Dinge lesen als Politiker oder finanzkräftige Manager. Diesen Spagat versucht die Redaktion seit 1993 zusätzlich übrigens auch per epaper. Wer die Prager Zeitung in Deutschland lesen will, kann dies aber auch ganz konventionell tun. Und in Sachsen findet sich das dichteste Verkaufsstellennetz: An 40 Kiosken gibt es hier das Blatt aus der Mitte Europas.

Michael Hiller

 

Prager Zeitung Titel k
 Die Prager Zeitung erscheint
 als deutschsprachige unabhängige
 Wochenzeitung seit 1991 in
 Prag und wird vor allem in Tschechien,
 Deutschland, Österreich und
 Polen gelesen. Chefredakteur
 ist seit der Neuauflage des Blattes der
 gebürtige Zwickauer Uwe
 Müller. Der DJV Kurier besuchte
 ihn im November in Prag

Uwe Müller und 1. PZ02
Chefredakteur Uwe Müller und die erste Ausgabe der Prager Zeitung
 aus dem Jahre 1991

 

 

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Deutschsprachige Verlage bestimmen tschechischen Printmedien-Markt

 â€žDrei von vier überregionalen Zeitungen sowie etliche Zeitschriften, Sport- und TV-Magazine, mit anderen Worten: die maßgeblichen tschechischen Printmedien, werden heute von deutschsprachigen Verlagen herausgegeben“, so Silija Schultheis in einem Beitrag für Radio Praha. Aktiv sind vor allem die Passauer Neue Presse, die Rheinische Post und der Schweizer Ringier-Verlag aktiv. Letzter dürfte auf dem tschechischen Markt die Nummer eins sein. Ringier besitzt die auflagenstärkste Tageszeitung, das Boulevard-Blatt Blesk - Pendant zum schweizerischen Blick bzw. zur deutschen Bildzeitung – sowie fast alle Programmzeitschriften. Im Zeitschriftenbereich sind darüber hinaus Burda, Springer und Bertelsmann aktiv.

 

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Prag hat zu allen Jahreszeiten viel zu bieten. Eine Besonderheit zum Jahreswechsel sind die
 zahlreichen Weihnachtsmärkte (unser Foto der Markt auf dem Altstädter Platz) - sie bleiben bis zum 1. Januar 2009 geöffnet!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Prager Zeitung, hprfoto

http://www.pragerzeitung.cz/