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Worte ins Stammbuch
Von Sybille Quenett
Ein 50. Geburtstag ist mehr als die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. In der Regel gibt man dem Jubilar gleich auch noch den Wunsch mit, er möge die kommenden Jahre intensiv nutzen, vielleicht auch noch mal das eine oder andere neu beginnen. So blieb es denn am Montag in Berlin auch nicht bei nur lobenden Worten für 50 Jahre Arbeit des Deutschen Presserats, der freiwilligen Kontrolle der Printmedien.
Der Bundespräsident persönlich war gekommen, um den Verlagen und der schreibenden Zunft etwas ins Stammbuch zu schreiben, was des Nachdenkens tatsächlich lohnt. Eindringlich warnte Horst Köhler vor Qualitätsverlusten, falls der wirtschaftliche Druck in der Branche einseitig nur durch Entlassungen abgeleitet werden sollte. Von Vielfalt könne kaum noch die Rede sein, wenn die Uniformität, die sich aus Agenturmeldungen speise, immer weiter um sich greife. Doch die Demokratie brauche nicht nur eine freie Presse, sondern auch die Möglichkeit, dass unterschiedliche Meinungen miteinander ringen können.
Unbequem auch Köhlers Mahnung, sich verstärkt mit dem Thema Schleichwerbung auseinander zu setzen. Der Presserat hat im laufenden Jahr dazu bereits elf Rügen ausgesprochen. Immerhin die Hälfte aller Beschwerden fiel zuletzt in diesen Bereich. Der Bundespräsident griff das indirekt auf und sagte unter dem Beifall der rund 350 Gäste im Museum für Kommunikation: „Wir brauchen eine neue Debatte über die Trennung von Nachricht und Werbung.“
Schleichwerbung lege die Axt an die Glaubwürdigkeit der Presse.
Ordnung stiften
„Die Welt will erklärt sein.“ Mit diesem Satz eroberte der Bundespräsident die Herzen der anwesenden Journalisten und Verleger, die zu Recht immer noch davon überzeugt sind, dass ihr Produkt nicht einfach eine billig handelbare Ware ist. „Stiften Sie Ordnung unter all diesen Informationen“, forderte Köhler mit Blick auf die wachsende Informationsflut auf allen Kanälen auf und ergänzte: „Zeigen Sie uns den Unterschied zwischen Wichtigem und Unwichtigem. Halten Sie uns neugierig.“
In der anschließenden Podiumsdiskussion, an der unter anderem WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und der Chefredakteur der „Zeit“, Giovanni die Lorenzo, teilnahmen, rückte das Internet stark in den Vordergrund. Hombach verwies mehrfach darauf, dass der Pressekodex, dem sich die Print-Presse selbst unterworfen hat, im Internet nicht gilt. Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden des Springer Verlags, Mathias Döpfner, drängte er darauf, die freiwillige Selbstkontrolle auf diesen Bereich auszuweiten.
Döpfner sagte unter großem Beifall : „Es ist gespenstisch, wie das Internet ausgeklammert wird. “Als die Debatte darüber auf dem Podium allerdings erst richtig begann, hatte der Springer-Chef den Saal bereits wieder verlassen. Der Sprecher des Presserats, Fried von Bismarck (Verlagsleiter des „Spiegel“), warf denn auch ein: „Wir wollen uns kontrollieren, aber nicht das Internet.“ Der Intendant des Südwestrundfunks, Peter Voß, gab zu bedenken, dass das Internet in Staaten wie China auch eine riesige Chance für die Freiheit sei.
Wenig Wohlwollen in den Reihen der schreibenden Zunft erntete Moderatorin Anja Reschke, als sie meinte, in zehn Jahren würde voraussichtlich sowieso niemand mehr eine gedruckte Zeitung in der Hand halten. Heribert Prantl, zuständig für die Innenpolitik bei der Süddeutschen, holte an dieser Stelle schon hörbar sehr tief Luft.
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