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Perspektiven suchen lohnt sich:

 


Mehr als 100 junge Journalisten dachten in Magdeburg über die Zukunft nach

Am Samstag, dem 8. und Sonntag, dem 9. Oktober 2005 war Magdeburg die erste Adresse für junge Journalisten und Journalistinnen: Für „24 Stunden Zukunft“ waren mehr als 100 Studenten, Volontäre, Jungredakteure und Freiberufler in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts gereist. Und sie wurden nicht enttäuscht, wie die Auswertung der Resonanzbögen zeigte. In diesen gaben die Teilnehmer der Veranstaltung insgesamt, den Organisatoren und Referenten durchweg gute Noten.

Gerade die Workshops am Samstag stießen bei den jungen Journalisten auf großes Interesse. So erklärte die Psychologin und freie Trainerin Helen Hannerfeldt, wie man seine Stärken erkennen und sie im journalistischen Alltag einsetzen kann. Auch Cordula Nussbaum, freie Journalistin und Trainerin, plädierte dafür, Potenziale zu nutzen, statt über Schwächen zu jammern. Im Mittelpunkt ihres Workshops über Strategien, Ziele und Selbstvermarktung stand eine Übung, in welcher die Teilnehmer Stationen ihres Lebens erkennen sollten, um anschließend Ziele für die nächsten fünf Jahre zu formulieren. Wolfgang Kiesel, der von sich sagt: „Ich mache seit 21 Jahren nur das, was mir Spaß macht, und hätte das schon eher tun sollen“, zeigte den Teilnehmern im dritten Workshop neue Wege in den freien Journalismus auf. Auch Ekkehart Sieker, freier Journalist von Beruf, klärte über die Rahmenbedingungen journalistischer Arbeit sowie über den Zusammenhang von Macht und Medien auf. Und schließlich informierte Versicherungsberaterin Petra Kauffmann über die Hürden auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Weitere Höhepunkte in Magdeburg waren ohne Zweifel die Impulsreferate von Meinungsforscher und Kommunikationsberater Prof. Dr. Klaus Kocks, sowie Prof. Dr. Siegfried Weischenberg, Leiter des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg. Kocks sorgte für Unruhe im Plenum, als er feststellte: „Journalisten werden schlecht bezahlt. PR-Leute sind schlechte Menschen, die aber gut bezahlt werden.“ Zudem kritisierte er Weischenbergs aktuelle Studie „Journalismus in Deutschland“ als dürftig. Weischenberg selbst machte deutlich, dass er den Unterschied zwischen PR und Journalismus darin sehe, dass Journalismus einen gesellschaftlichen Auftrag habe, wogegen PR gruppenorientiert sei. Den jungen Zuhörern gab er mit auf den Weg, dass sich das Berufsbild zukünftig weiter ausdifferenziere und viele gut qualifizierte Journalisten gebraucht würden. Am Sonntagvormittag zudem die Podiumsdiskussion zum Thema „Sind nur Skandalthemen wirkliche Themen? – Boulevard als Zukunftsmarkt“ für jede Menge Zündstoff. Die Diskutanten, unter ihnen Harry Nutt, Leiter des Feuilleton-Ressorts der „Frankfurter Rundschau“, Christoph Schultheis, Mitbegründer von bildblog.de und Sandro Viroli, Redaktionsleiter von ARD „Brisant“, waren sich darin einig, dass (seriöser) Boulevardjournalismus zukünftig verstärkt gefragt sei und damit tatsächlich auch berufliche Perspektiven biete.        

Alles in allem ein gelungener Kongress, fanden auch die Organisatoren. Die Vorsitzenden des Fachausschusses Junge Journalistinnen und Journalisten auf Landesebene, insbesondere die eigens für den Kongress gegründete „AG 24“, hatten sich bereits Monate vor der Veranstaltung getroffen, Konzepte entworfen und schließlich die Gremien des DJV von der Wichtigkeit einer solchen Fachtagung überzeugt. „Wir sind die Zukunft des DJV!“, bringt es Markus Beyer, Vorsitzender des BFA Junge, immer wieder gern auf den Punkt. Ein Beleg dafür ist der Fakt, dass jedes dritte DJV-Mitglied unter Mitte Dreißig ist. Zudem ist Journalismus für viele nach wie vor der Traumjob: Der Ansturm auf entsprechende Volontärs- und Studienplätze ist ungebrochen – trotz oder gerade in einer Zeit, in der die Berufsaussichten am Ende der Ausbildungszeit schlecht sind und sich viele Absolventen nach dem Studium von einem (unbezahlten) Praktikum zum nächsten hangeln oder sich als Freie versuchen. Gründe genug für den DJV, 2006 zum Jahr der Aus- und Weiterbildung zu erklären, in dem die Zukunft des Berufs im Mittelpunkt steht.

Um fit zu sein für das, was kommt, haben die „24 Stunden Zukunft“ in Magdeburg nicht gereicht. Aber sie waren ein wichtiger Anfang – gerade auch mit Blick auf das „Zukunftsjahr“ 2006.

Regina Raedler

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Regina Raedler ist freie Journalistin in Leipzig