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Das Thema der vergangenen Monate - die DJV-Landesverbände in Berlin und Brandenburg* – war eigentlich kein solches auf dem Bundesverbandstag im thüringischen Weimar. Klassisch wie die Stadt ist denn auch der diesjährige DJV-Höhepunkt im Rückblick einzuschätzen: Es gab Anträge, Dringlichkeitsanträge, Resolutionen, Änderungsanträge, jede Menge Abstimmungen sowie die Wahl des neuen Bundesvorstandes: Alle bisherigen Mitglieder kandidierten wieder und ... wurden gewählt. Ihre Ämter behielten damit Michael Konken (Vorsitzender), Volker Hummel (2. Vorsitzender), Uli Remmel (3. Vorsitzender), Birger Zentner (Schatzmeister) und die Beisitzer Michael Anger, Barbara Deller-Leppert und Jörg Prostka. Der Bundesvorstand geht damit in dieser Besetzung in die zweite Legislaturperiode. Es schönes Argument für zukünftige Anträge zur Verlängerung der Amtszeit auf vier Jahre!
Neben dem Standardthema Tarife, bestimmten die aktuellen Anfeindungen von Politik und Staat die Debatte: Hier eine kleine Telefonüberwachung, da eine Durchsuchung von Redaktions- oder Privaträumen und dort ein wenig Spiel mit dem BND-Feuerchen. Der DJV Sachsen hatte aus aktuellem Anlass einen Dringlichkeitsantrag eingebracht und so mit dazu beigetragen, dass eine Resolution zur Änderung von Strafgesetzbuch und Strafprozessordnung verabschiedet erden konnte.
*Das letzte Aufbegehren des Altberliner Vorsitzenden löste hier und da Schmunzeln oder verständnisloses Kopfschütteln aus, regte aber kaum zu Diskussion oder Widerspruch an. Und inzwischen haben die Berliner in wiedergewonnener Souveränität durch Abwahl einen Schlussstrich gezogen. Die provokatorischen Brandenburger Anträge kamen nicht aufs Tableau.
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Gratulation zur Wiederwahl: Sabine Bachert und Michael Konken Foto: Rolf Dvoracek
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Du musst kein Schwein sein!
- Gedanken zum Bundesverbandstag in Weimar -
Dass die Thüringer sangesfreudig sind, ist gelernten Ostlern bestens bekannt. Dass sie aber auch ihre Wünsche und Forderungen musikalisch zielsicher auf den Punkt bringen können, wohl eher nicht. Der erweiterte Vorstand des DJV Thüringen dokumentierte dies jedoch eindrucksvoll beim diesjährigen Bundesverbandstag und setzte damit ein echtes Highlight im ansonsten eher normalen Tagungsablauf. „Du musst kein Schwein sein“, sangen die Thüringer ihre Rundumorderung. Berechtigt! Weht doch der eher zu Herbst und Winter gehörende grimmige, eisige Wind im journalistischen Milieu derzeit Jahreszeiten unabhängig. Die Aussprache auf dem Bundesverbandstag in Weimar und die Diskussionen in den Arbeitsgruppen bestätigten dies und die alltäglich zu sammelnden Erfahrungen im Verbandsalltag entsprechen dem. Die Tarifpolitik, meist leider nur auf die im Tageszeitungsbereich fokussiert, ist derzeit nur e i n e Baustelle, auf der es nicht richtig voran geht. Viel schlimmer ist, dass journalistische Arbeit in ihrer klassischen Art offensichtlich immer weniger gewünscht wird. Wie anders soll man Sparen und Honorardumping allerorts sonst verstehen.
Die vielbeschworene Informationsgesellschaft droht an den bisherigen Akteuren vorbei zu ziehen. Informationen stellt dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten mittlerweile Hinz und Kunz zur Verfügung und die ein oder andere Redaktion greift gern darauf zurück. Bundesvorsitzender Michael Konken stellte fest: Der Journalismus in Deutschland ist in Gefahr! Und meinte damit nicht nur die oben genannten Anfeindungen!
„Die Informations-Profis sind doch viel zu teuer“, hört man immer häufiger. Redaktionsmanager, die dies verbreiten, könnten den Beruf des Journalisten beerdigen. Und gäbe es nicht das ein oder andere klassische Medium, dass die Fahne des Journalismus hoch hält gegen alle Anfeindungen der fremdländischen und einheimischen Heuschrecken , sähe es wohl noch schlimmer aus. Man kann diese Situation beklagen, man kann aber auch etwas dagegen tun. Und anfangen sollten jeder bei sich selbst. Mit Fragen, wie: „Kann ich für dieses Honorar überhaupt arbeiten? Kann ich unter diesen Bedingungen Zeitung, Hörfunk, Fernsehen machen? „Diene“ ich einem Medium und seinen Rezipienten oder nur einem Geschäftsmacher?
Ja klar, leben müssen wir alle und dazu müssen wir hin und wieder Kompromisse eingehen.
Aber muss man wirklich alles hinnehmen? Das steht für mich hinter dem lustigen Liedchen der Thüringer.
Es ist gut, dass sich der DJV-Verbandstag nicht nur mit Berlin-Brandenburger Problemen oder anderen Interna beschäftigt hat, am Kernproblem sind die Diskussionen wohl orientiert aber sie bestimmen sie nicht durchgängig. Kein Schwein sein, heißt für den DJV, die Gesamtheit der journalistisch tätigen im Auge zu behalten und sich nicht an „Grausamkeiten“ festzubeißen, die landauf, landab bedauerlicher Weise bereits Normalität geworden sind. Die Vertreter des DJV Sachsen bekräftigen deshalb immer wieder: Journalistische Qualitätsarbeit hat einen Preis und muss diesen behalten – unabhängig vom Status fest oder frei!. „Kein Schwein sein“ richtet sich daher nicht nur an Verleger, Arbeits- und Auftraggeber sondern auch an jeden Einzelnen höchstpersönlich.
Michael Hiller
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 Singegruppe des DJV-Thüringen: Du musst kein Schwein sein... Foto: Rolf Dvoracek
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