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Wie weiter?
Die Tageszeitung stirbt, titelte neulich die taz. Dem erschreckten Leser wurde aber umgehend vermittelt, dass es um das Blatt selbst nicht geht! Die Branche insgesamt ist gemeint... Einsparungen, Seitenreduzierungen, Entlassungen, verringerter Qualitätsanspruch, Druck auf Redaktionen, gefährliche Besitzverhältnisse und Kartellrechtsentwicklungen gehen demnach offensichtlich an dem Genossenschafts-Blatt vorbei? Auslagerungen, Tarifflucht, Verlagerung der journalistischen Arbeit an schlechtbezahlte Freie... muss man als Indizien hinzufügen, wenn man das Problem gewerkschaftlich betrachtet. Aber die Medienwelt hat sich eben auch verändert. Den bisher traditionellen Medien ist ein weiteres hinzugekommen: das Internet! Es greift unaufhaltsam in alles Bestehende ein! Neue interaktive Möglichkeiten schmälern vor allem das traditionelle Anzeigengeschäft der Tageszeitungen. Die Verlage mischen allerdings (zum Glück?) kräftig mit. Mit eigenen Intenet-Angeboten, Anzeigenblättern und anderem... Und hinter allem steht nur ein einziger Fakt: Profitstreben. Wie oft hören wir beispielsweise, dass ein Verlag statt der geplanten 10 Millionen nur 3 Millionen Gewinn realisieren konnte. Da wird einem schon lau ums Herz und manch einer hat vollstes Verständnis für ach so notwendige Sparmaßnahmen. Aber bitte, Jammern gehört doch zum Geschäft, zum Tarifgeschäft auch! Deshalb findet es auch regelmäßig statt. Auf beiden Seiten!
Ein Problem bedroht allerdings dieses Ritual: Die Partner bewegen sich zunehmend auf dünnem Eis! Den Unternehmerverbänden laufen die Mitgliedsbetriebe weg oder sie flüchten in sogenannte OT-Mitgliedschaften. Auf Seiten der Arbeitnehmer, wird die Zahl der Festangestellten immer geringer. Allein im DJV_Sachsen ist der Anteil der bei Verlagen angestellten Redakteuren bereits weit unter die 20-Prozent-Marke gerutscht. Wirklich hundertprozentig flächentarifgebunden sind rund 130 Redakteurinnen und Redakteure. Tarifbindung heißt aber nicht nur Gehaltsgruppen und regelmäßige lineare Erhöhungen, Tarifbindung heißt auch klare Arbeitszeit- und Urlaubsregelung, verbriefte Volontärsausbildung, Altersversorgung und mehr...
Können wir aus dem Tarifgeschäft heraus trudeln??? Keine Partner mehr da, kein Interesse, Angst bei den Betroffenen, keine Notwendigkeit etwas regeln zu müssen...Wie also weiter??? Augen zu und durch! Es wird schon alles wieder so werden, wie es in der guten alten BRD-Zeit mal war. Soziale Marktwirtschaft, Aufschwung, Aufschwung, Aufschwung, Wohlstand, Zugewinn neuer Bundesländer, wieder Aufschwung und Boom in allen Branchen, Gehaltssteigerungen, die fast die Zehn-Prozent-Marke erreichenten. Auch die sächsischen Zeitungsredakteure haben von letzterem profitiert. Nun aber könnte es sein, dass es unter den Redakteure bald keine „Profitierenden“ mehr gibt. Weil es keine Redakteure mehr gibt. Ihre Arbeit erledigt die ausgelagerte Agentur, der Freie... Es scheint an der Zeit, althergebrachtes zu überdenken und vielleicht mal etwas ganz anders zu machen... Vorrangigstes Ziel muss dabei sein, mehr Journalistinnen und Journalisten, mehr DJV-Mitglieder in relativ gesicherte Verhältnisse zu bringen. Die Verhandler auf beiden Seiten sind gefordert! Kreativität statt Ritualität ist gefragt! Und vielleicht sind auch Abstriche nötig, um das Tarifwerk insgesamt zu erhalten bzw. den Kreis der "Begünstigten" wieder zu erweitern. Das Tarifwerk für Redakteure darf genau so wenig sterben, wie die Gattung Tageszeitung selbst.
Schreiben Sie dem DJV Sachsen, wie wichtig für Sie tarifliche Regelungen sind, was Sie sich sich auf Tarifebene persönlich wünschen und vor allem, wofür Sie sich auch persönlich einsetzen würden. Oder beantworten Sie unseren Fragenkatalog unter www.djv-sachsen.de/umfragealg
Michael Hiller |