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Vom Journalisten zum Content-Broker
„Konferenz der Freien“ in Halle - Teilnehmer diskutieren Zukunft des Journalismus
Von Sabine Ernst
Chancen und Risiken des eigenen Berufsstandes diskutierten mehr als 30 Teilnehmer auf der dritten „Konferenz der Freien“ unter der Überschrift „Quo vadis Journalismus?“ jüngst in Halle (Saale). Auf dem Treffen, einer Initiative der DJV-Landesverbände Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen, warfen Theoretiker und Praktiker gleichermaßen einen Blick in die Zukunft des Journalismus.
„Die Zukunft war früher auch einmal besser“, konstatierte Klaus-Dieter Altmeppen, wissenschaftlicher Assistent am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau gleich zu Beginn des Treffens. In seinem Vortrag nahm der Wissenschaftler die Ergebnisse einer aktuellen Repräsentativerhebung zum Online-Journalismus zum Anlass, um mögliche Entwicklungspfade und Strukturveränderungen in der Medienbranche aufzuzeigen: In digitalen Umwelten, so Altmeppen, würden sich Journalisten zunehmend von Themen und Medien abkoppeln. Mehrfachnutzung, neue Produktangebote und ein zielgruppengerechter Absatz seien zukünftig verstärkt gefordert. „Der Journalist entwickelt sich zum Content-Broker“, lautete eine weitere Prognose des Referenten. Als potenzielle Stolpersteine bezeichnete Altmeppen unter anderem die schleichende Veränderung des Berufsbildes, die mit der Übernahme berufsfremder Tätigkeiten einhergehe sowie die mangelnde fachliche Kontrolle und prekäre Arbeitsverhältnisse.
Fremdsprachenkenntnisse (zum Beispiel Arabisch und Türkisch) und Fachwissen nannte Dieter Soika, Chefredakteur der Freien Presse in Chemnitz, als wichtige Voraussetzungen für zukünftiges journalistisches Arbeiten: „Ich glaube nicht, dass man Journalismus an Hochschulen erlernen kann“, so der Lehrbeauftragte für Redaktionsmanagement an der Universität Leipzig. Angehende Journalisten sollten zunächst etwas „Richtiges“ lernen. Die streitbaren Einschätzungen des Medienmachers begleiteten Erläuterungen zur redaktionellen Umstrukturierung innerhalb der Freien Presse wie die Einführung von News-Desk und ressortübergreifendem Arbeiten.
„Als Beruf mit viel Technikbezug und Mobilitätsanspruch ist der Bildreporter das Ideal für den Outsourcing-Trend“, stellte im Anschluss der freiberufliche Fotojournalist Bernd Lammel (Bundesfachausschuss Bildjournalisten) fest. Als Reaktion auf die „Geiz ist geil“-Mentalität der Unternehmen riet er Bildjournalisten, anfallende Kosten zu reduzieren, Lokales überregional zu sehen („Hartz IV findet überall statt.“) und den Abnehmerkreis ständig zu erhöhen. Trotz stetig größer werdender Konkurrenz sei es darüber hinaus wichtig, Netzwerke unter Kollegen aufzubauen. Die Pflege von persönlichen Kontakten zu den Redaktionen und die kontinuierliche Weiterbildung bezeichnete Bernd Lammel obendrein als unverzichtbar. Und dennoch: „Wir werden weniger werden. Das ist ganz eindeutig“, so sein nüchternes Fazit.
Dass freie Journalisten einen Teil ihrer Arbeitszeit in Zukunft auch auf der anderen Seite ihres Schreibtisches verbringen müssen, war eine der Thesen, die Ludwig Hilmer, Professor für Medienlehre und Medienpraxis an der Hochschule Mittweida, den Konferenz-Teilnehmern am Ende vorstellte. Eine bittere Pille hielt er zudem speziell für den Nachwuchs bereit: „Wir können jungen Menschen in der Ausbildung heute nicht mehr garantieren, dass sie ein Leben lang im Journalismus tätig sein werden.“
Weitere Informationen im Internet unter www.konferenz-der-freien.de. |