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© DJV-Kurier 49, Dresden, 2004, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion |
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Frei - ob freiwillig oder unfreiwillig: Die Zahl der selbstständigen Journalistinnen und Journalisten steigt stetig. Auf Bundesebene hat sie in den letzten fünf Jahren von schätzungsweise 15.000 um 50 Prozent auf derzeit 22.500 zugenommen. Parallel hierzu hat sich die Auswahl an Ratgebern in Buchform in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Der Trend hält an: So plant auch der Oberauer-Verlag für Ende diesen Jahres eine Neuauflage seines veralteten Ratgebers „Freie Journalisten, Ratgeber für Einsteiger und Profis" von 1998. Die Kehrseite der Medaille: Mit zunehmendem Angebot erschwert sich die Auswahl – allein der Erwerb aller hier verglichenen Ratgeber würde die 200-Euro-Grenze übersteigen.
Aktualität zählt
Angesichts der zahlreichen Änderungen in Gesetzes- und Förderkulisse von Überbrückungsgeld über Ich-AG bis hin zur Gewerbesteuerpflicht erweisen sich jene Ratgeber als vorteilhaft, die in kurzen Rhythmen als aktualisierte Neuauflage erscheinen und zudem in der Interimszeit über einen unterstützenden Online-Auftritt aktualisiert werden. Hier sind die beiden Standardwerke „Von Beruf Frei" von Wolfgang Kiesel (3. Aufl., www.djv.de/schwerpunkte/freie/infos) oder Goetz Buchholz´ „Ratgeber Freie" (6. Aufl., www.ratgeber-freie.de) zu nennen. Beide behandeln umfassend alle Fragen der journalistischen Tätigkeit als selbstständiger Unternehmer mit konkreten Ratschlägen, Empfehlungen und Adressen. In Sachen Übersichtlichkeit hat die Kiesel-Publikation aufgrund zahlreicher Vergleichsübersichten und Beispielrechnungen die Nase vorn, während sich der Leser des Buchholz-Ratgebers gelegentlich in den zahlreichen Details verirrt; wozu auch die zwar ökonomische, jedoch wenig übersichtliche Bedruckung bis an die Seitenränder beiträgt. Ebenfalls ein Klassiker, wenn auch nicht ganz so komplex wie die beiden anderen, ist der „Ratgeber Freie Journalisten" von Tom Buschardt (4. Aufl.). Inhaltlich handelt es sich hier um Erfahrungsberichte unterschiedlicher Autoren, die bis zu Ratschlägen für die Berufsausübung in so genannten Dritte-Welt-Ländern reichen. Dieser Ratgeber ist eine sinnvolle Ergänzung der beiden erstgenannten Allrounder.
Neue Alternativen mit Schwerpunkten
Der Ratgeber „Freie Mitarbeit in den Medien" des Autorenteams Bösel/Suttheimer stellt eine in wichtigen Teilbereichen spezialisierte Ratgeberalternative dar. Erwähnenswert ist hier vor allem der breite Raum, den die Abwägung der Erfolgs- und Marktzugangschancen einnimmt, während die Themen Gründungsfinanzierung, soziale Absicherung, Buchhaltung und Steuerpflichten hier nicht die Tiefe erreichen, wie man sie etwa von Kiesel oder Buchholz gewohnt ist. Auch der zweite Ratgeber aus dem westdeutschen Verlag von Kurt Weichler reißt letztere Themenkomplexe nur an. Vorbildlich ist hier hingegen das ausführliche Aufzeigen möglicher Arbeitsfelder sowie die klare Formulierung der beruflichen und vor allem auch persönlichen Anforderungen potenzieller Auftraggeber an den journalistischen Auftragnehmer durch redaktionell erfahrene Fremdautoren. Großen Wert legt der Autor darauf, dem Selbstständigen eine realistische Einschätzung seiner wirtschaftlichen Situation anhand statistischer Vergleiche zu ermöglichen. Wer seine organisatorischen, versicherungsrechtlichen und fiskalischen Fragen bereits beantwortet hat und sich jetzt in die Themen Akquisition, Außendarstellung und Selbstvermarktung vertiefen, möchte, ist mit Svenja Hoferts „Erfolgreich als freier Journalist" gut beraten - obwohl gerade die Selbstvermarktung von Beginn an nicht vernachlässigt werden sollte!
Spezialfälle und Missverständnisse
Von Manuela Moenikes „Hobby: Journalist" wird der hinsichtlich der freien Mitarbeitarbeit in Lokalzeitungen Rat Suchende enttäuscht. Ursächlich hierfür ist allein schon die längst nicht mehr zeitgemäße Freien-Typisierung als Abiturient, Student, Freizeit- oder eben „Hobby-Journalist", die dieser Untersuchung zugrunde liegt. Wer sich ausschließlich rechtlichen Fragen der freien journalistischen Tätigkeit widmen will, findet in Albrecht Götz von Olenhusens „Freie Mitarbeit in den Medien" die passenden Antworten – allerdings auch nur auf diese.
Stufenweise Wahl wird nicht zur Qual
Normalerweise sollte das günstige Kaufpreis/Seiten-Verhältnis nicht zum Entscheidungskriterium für den Bucherwerb werden. Im Falle der Ratgeberselektion trifft dies jedoch ausnahmsweise zu, nicht zuletzt wegen des durchgängig hohen Qualitätsstandards, der übersichtlichen Darstellung und des derzeit höchsten Aktualitätsanspruchs des Kiesel-Ratgebers „Von Beruf frei“. Wer sich nach dieser Lektüre in speziellen Feldern eingehender informieren möchte, kann je nach den dargestellten Schwerpunkten heute erfreulicherweise auch auf eine Vielzahl weiterer Publikationen zurückgreifen.
Martin Linkemann
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Die Zahl der freien Journalisten steigt permanent und mit ihnen die Zahl der Ratsuchenden in Sachen Existenzgründung, Absicherung und Selbstvermarktung. Ratgeber für freie Journalisten sind erfreulicherweise heute keine Mangelware mehr, weitgehend auf dem neusten Stand und entsprechen der aktuell steigenden Nachfrage teilweise sogar durch permanent aktualisierte Online-Ergänzungen im Internet. Foto: wirtschaftspublizist |
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Umfassende Ratgeber für freie Journalisten (nach Erscheinungsjahr):
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Martin Linkemann ist freier Wirtschaftsjournalist und Berater für Pressestrategie, Mitglied im FA Freie Journalisten NRW sowie im Vorstand der DJV-Journalisten des Kreises Recklinghausen |
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