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Das Status-Symbol der Dresdner Medienlandschaft hat ein neues Outfit: Ganz in Grün mit farblich abgesetzten Lettern und gänzlich aus Glas. Die einstige Betonfassade ist verschwunden und insgesamt scheint vom alten Bau nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Das als Haus der Presse bekannte Verlagshaus in der Ostra-Allee gehört heute der Dresdner Druck- und Verlags GmbH (DD+V), einem Unternehmen, das sich zu 60 Prozent Gruner+Jahr und zu 40 Prozent die SPD-Tochter VVG teilen. Herausgegeben werden hier Sächsische Zeitung, SZ am Sonntag und Dresdner Morgenpost sowie Morgenpost Chemnitz, darüber hinaus Anzeigen-Titel wie motor auto Zeitung, Immobilienmagazin und Wochenkurier.
Im Jahr 2002 wollte sich Gruner+Jahr von der Dresdner Zeitungstochter trennen. Verkauf war angedacht und die ersten Interessenten bereits auf der Matte. Doch es kam alles ganz anders. Die verheerende Jahrhundert-Flut traf das Verlagsgebäude so unerwartet, dass die Dresdner Verlagsleitung den eifrigen Verkäufern in der Hamburger Zentrale kaum behilflich sein konnte. DD+V-Personalchef Christof Herbers erinnert sich, dass man zu dieser Zeit nicht mal dem Wunsch nach Grundbuch-Kopien nachkommen konnte. Verlagsleitung, Redaktion und alle Mitarbeiter waren vielmehr damit beschäftigt, unter Extrembedingungen (das Haus musste evakuiert werden) das tägliche Erscheinen der Zeitung zu sichern.
Nach der Flut war klar, dass nicht nur ein paar Wasserschäden zu beheben waren. Über 3000 Kubikmeter Abfälle und Schrott – darunter auch wertvolles Archivgut – mussten entsorgt werden. Der geplante Neubau war zu dieser Zeit ohnehin bereits mehr oder weniger ad acta gelegt. Die Gesellschafter entschieden, das Verlagshaus komplett zu sanieren. Und das Darmstädter Architektenbüro cornelsen+seelinger legte einen Entwurf vor, der sowohl den Gesellschaftern zusagte als auch ins Bebauungskonzept der Stadt passte. Wenn gleich beim Dresdner Stadtplanungsamt bezüglich der Fassade eher Bedenken bestanden. Erst bei der Einweihung, Anfang des Jahres, gab es von Dresdens OB Ingolf Rossberg Lob für die „Außenhaut“.
Was sich hinter den Fassaden verändert hat, wissen ohnehin nur Insider. Einiges davon war längst fällig, bestätigt Christof Herbers. Er musste in die „Tiefen“ des Baugewerbes abtauchen. Mit den Erfahrungen von Produktionssicherung während und der Wiederinbetriebnahme nach der Flut war er für den Umbau wohl der prädestinierteste aus der Geschäftsführung. „Wir haben faktisch bis auf den Rohbau zurückgebaut“, sagt der 43-jährige. „Heizungs- und Lüftungstechnik, Elektro- und Wasseranlagen sowie Kommunikationssysteme und Brandschutzeinrichtungen wurden auf den neuesten Stand der Technik gebracht, insgesamt mehr als 18 Millionen Euro verbaut.“ Das alles bei laufender Zeitungs-Produktion. Für die Redaktion bedeutete das ein fast fünfmonatiges Arbeiten auf einer Baustelle. Herbers weiß, was das bedeutet: „Schreiben Sie mal einen Kommentar, wenn über oder unter Ihnen Beton zerhämmert wird.“, sagt er anerkennend. Aber auch diese Opfer haben sich gelohnt. Mit dem neuen Heizungs- und Lüftungssystem gebe es in den Redaktionsräumen wesentlich verbesserte Arbeitsbedingungen. Ganz bewusst habe man auf eine Klimaanlage verzichtet. Ein modernes Kühlsystem werde in Verbindung mit einer dem Stand der Technik entsprechenden Fassadendämmung im Sommer die bisher fehlende Frische ins Haus bringen.
Entstanden ist insgesamt ein nicht nur äußerlich attraktiver Bau, der zugleich altes bewahrt. Ein solches Bekenntnis zu DDR-Architektur ist eher selten in der sächsischen Landeshauptstadt. Der DD+V setzt noch eins drauf: Vorm Haus grüßt die vom Zahn der Zeit teilweise arg benagte Leuchtschrift: Haus der Presse.
KMH |
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