K35-0 

erscheint  9.12.2003

 

 

 

© DJV-Kurier 47, Dresden, 2003, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

 

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Ende Oktober weilte eine Gruppe aus dem Bistum Görlitz in Rom. Der evangelische Landesbischof  Klaus Wollenweber und sein katholischer Amtsbruder, Bischof Rudolf Müller, initiierten und leiteten diese ökumenische Pilgerreise. Die Besucher besichtigten beeindruckende Zeugen der Geschichte der Ewigen Stadt und der christlichen Welt und waren bei hohen Würdenträgern der katholischen und evangelischen Kirche zu Gast. Darüber hinaus informierten sie sich in der deutschsprachigen Redaktion des „L’OSSERVATORE ROMANO“
 (Römischer Beobachter) über die Pressearbeit im Vatikan

19Via Sacrak

Mehr als nur historisches Pflaster: Die über 2000 Jahre alten Steine
 der Via Sacra

19Ernst Schlögelk

Ernst Schlögel ist für die deutschsprachige Ausgabe des Osservatore  verantwortlich.

Der heilige Stuhl

Presseamt

Römische Beobachtungen
Kirchen auf dem Weg der Versöhnung und Pressearbeit im
Vatikan

Von Sigrid Schönfelder

„Johannes Paul II. besuchte am 11. Dezember 1983 als erster Papst nach der Reformation eine evangelisch – lutherische Kirche und predigte von der Kanzel dieses Gotteshauses“. Eine Tafel mit dieser Inschrift entdeckte die Görlitzer Pilgerschar in der Christuskirche, der einzigen evangelischen Kirche Roms. Gemeindepfarrer Matthias Fricke-Zieseniß hatte zu einem Gespräch eingeladen und erzählte  über das facettenreiche Leben  in seiner evangelischen Gemeinde.

   „Russland  katholisch machen zu wollen, wäre absurd. Wir wollen, dass die Russen ihre orthodoxe Kirche stark machen. Die wichtigste Herausforderung für alle christlichen Kirchen in unserer Zeit ist die gemeinsame Grundfrage: Wie können wir unsere christliche Botschaft an die Kinder und Jugendlichen heran tragen?“. Mit diesen Worten erklärte Kardinal Walter Kasper im Vatikan den zustimmenden  Gästen  seine Auffassung von Ökumene. „Haupterfolge sind nicht die neuen Dokumente, sondern das neue Klima zwischen den Kirchen“, fügte er hinzu.

   Auf der Suche nach ihren gemeinsamen Wurzeln schlenderten die 28 Pilger aus der schlesischen Grenzstadt über die mehr als 2000 Jahre alten Steine der Via Sacra, durch die herbstbunten Vatikanischen Gärten und  über das Forum Romanum, den einstigen Marktplatz der Römer. Sie stiegen hinab zum Grab des Apostels Paulus und in die schaurigen Katakomben. Dort lauschten sie den Berichten über  Totenrituale der Römer und das Leben der ersten Christen in diesem mehr als 20 km verzweigten, unterirdischen Labyrinth. Sie stiegen mehr als 500 Stufen hinauf zur Kuppel des Peterdoms und wurden mit einem unvergleichlichen Blick auf die uralte und immer neue Stadt belohnt. Auf der Spanischen Treppe erfuhren die Gäste, dass dieses Bauwerk seinen weltbekannten Namen von Touristen bekommen hat, weil  zufällig in der Nähe die spanische Botschaft residierte und sich der italienische Name zu kompliziert für deutsche Ohren und fürs deutsche Gedächtnis erwies.

    In den prachtvollen Basiliken und Museen bewunderte die Reisegruppe Gemälde und Statuen  großer Meister  wie Michelangelo, Botticelli und Bernini und wurden von der Kunsthistorikerin Eva Maria Varsany immer wieder auf kleine, versteckte Botschaften und Details aufmerksam gemacht. Das Porträt des Monsignor Biago da Casena mit Eselsohren und einer Schlange, die ihn an einer unaussprechlichen Stelle beißt, wird  wohl keiner vergessen. Auch nicht, dass Casena als Ausgestoßener des „Jüngsten Gerichts“, den nicht einmal die Hölle will,  in der Sixtinischen Kapelle zu finden ist.  Michelangelo hat sich so auf ewig an seinem ärgsten Widersacher, dem boshaften Zeremonienmeister des Vatikans, gerächt. Die farbenprächtigen, detailgetreuen Bilder Peruginos erzählten den aufmerksamen Betrachtern  eine Menge über Baukunst,  Kleidung und Haartrachten im mittelalterlichen Rom. Wundervolle Steinmosaiken römischer Meister schmücken Wände und  Fußböden zahlloser Gebäude und belegen im wahrsten Sinn des Wortes die hohe Handwerkskunst längst vergangener Epochen.

   Im Petersdom erlebten die Pilger zusammen mit 14.000 Menschen aller Konfessionen und aller Herren Länder die feierliche Messe, bei der Papst Johannes Paul II. 30 neu ernannte                                                                                                                                                                                                                                   Kardinäle segnete und sie aus seiner Hand die Kardinalsringe empfingen.

    „Die offiziellen Presseinformationen aus dem  Vatikan  werden  seit  Juli    1861 vom „OSSERVATORE ROMANO“ verbreitet. Nicola Zanchini aus Forli und Guiseppe Bastia aus Bologna hatten unter dem Pontifikat Pius’ IX. erfolgreich bei der päpstlichen Verwaltungsbehörde die Lizenz für ein Presseunternehmen beantragt“, erfuhren die Gäste von Ernst Schlögel, dem Chefredakteur der deutschsprachigen Redaktion der Vatikanzeitung. „Heute wird der „OSSERVATORE“ als Tageszeitung in italienischer Sprache herausgegeben. In Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Polnisch und Deutsch erscheint darüber hinaus je eine Wochenausgabe. Unsere Zeitung wird in allen deutschsprachigen Ländern und auch im deutschsprachigen Teil Belgiens, im Raum Lüttich verbreitet“, erzählte er weiter. „Wir verwenden auch noch die alte Rechtschreibung“, fügte er schmunzelnd hinzu.

    Ernst Schlögel arbeitete viele Jahre als Chefredakteur bei einer hessischen Kirchenzeitung. Vor  zwei Jahren wurde er von Kardinal Karl Lehmann in sein jetziges Amt berufen. Seine Assistentin Astrid Haas und die Leiterin des Lektorats Gerlinde Lixt kommen aus Österreich. Für das Layout ist Matthias Hoch aus Deutschland verantwortlich. Berthild Schafgan, zuständig für Sekretariat und Verwaltung, ist der gute Geist der kleinen Gemeinschaft und in Köln zu Hause. Alle Redaktionsmitarbeiter sind Angestellte des Vatikans der insgesamt mehr als 3.000 Menschen beschäftigt.

    Die erste deutsche Wochenausgabe des „OSSERVATORE ROMANO“ erschien zu Beginn des Jahres 1971 auf Wunsch von Papst Paul VI. „Hauptinhalt unserer Zeitung ist die sprachlich ausgefeilte und korrekte Wiedergabe aller Verlautbarungen des Heiligen Vaters. Deshalb ist Redigieren bei uns so wichtig und oft holen wir uns auch Unterstützung bei sachkundigen Theologen.  Wir bekommen die Originaldokumente in der Sprache, in der sich der Papst geäußert hat, nur die Enzyklika werden vom Vatikan vorübersetzt. Wenn der höchste katholische Würdenträger in deutschsprachige Länder reist, fährt immer ein Vertreter der deutschen Redaktion mit“, informierte der Chefredakteur weiter. „Der zugegeben kleine redaktionelle Teil liegt in unserer Hand. Dort haben Themen zu weltkirchlichen Aspekten und über Kunst und Kultur Roms den Vorrang.  Für mich liegt der Reiz meines Amtes darin, dass wir Berichte aus dem Zentrum der Weltkirche  aus erster Hand bearbeiten können. Der verantwortungsvolle Umgang mit der deutschen und mit  anderen Sprachen sowie das tägliche Erlebnis der Ewigen Stadt sind ein weiteres Vergnügen. Aber besonders stolz  sind wir darauf, die Worte des Papstes zu verbreiten, der ein einzigartiges Ansehen in der Welt genießt und eine ungewöhnlich hohe moralische Autorität besitzt, wie es sich gerade in diesem Jahr bei der Diskussion um den Irak-Krieg gezeigt hat.“