K35-0 

erscheint  9.12.2003

 

 

 

© DJV-Kurier 47, Dresden, 2003, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

 

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Gewalt im Radio?

So richtig fing alles erst vor rund zwei Jahren an, behaupten die Auftraggeber der am 29. Oktober 2003 in Leipzig präsentierten Studie „Gewalt im Radio“. Gemeint sind Provokationen und verbale Entgleisungen, physische und psychische Gewalt, die sich zunehmend, bedingt auch durch den gestiegenen Konkurrenzdruck, zwischen die Musikblöcke der Hörfunkprogramme schieben. Bevorzugte Sendezeit zwischen 6 und 8 Uhr. Genau dann, wenn alle hören, wenn die Familie am Frühstückstisch sitzt. Was da so über Äther und Kabel poltert, bemerkt der ein oder andere kaum noch. Meist wird es als Spaß empfunden. Selbst die Radiomacher sind sich ihrer Taten oft nicht bewusst, das behaupten zumindest die Verantwortlichen in den Landesmedienanstalten.

Die von Prof. Dr. Bernd Schorb und Anja Hartung (beide Universität Leipzig) vorgelegte Studie untersucht Wortbeiträge  der mitteldeutschen Jugendprogramme Jump, planet radio, Radio Top 40, Energy Sachsen und project 89,0 digital. Letzteres hat die Radiowelt bereits wieder verlassen.

Hörfunk ist das wohl präsenteste Medium überhaupt, schnell und überall verfügbar. Dennoch wird hier am wenigsten geforscht. Und zum Thema Heranwachsende und Radio gibt es fast gar keine Untersuchungen. Die Studie zeigt einige interessante Zusammenhänge. So deckt sie auf, wie Gewalt zur Selbstverständlichkeit wird: Während jüngere Kinder - den Hörgewohnheiten der Erwachsen unterliegend – jegliche Gewalt ablehnen, nimmt mit steigendem Lebensalter die Wahrnehmung der Gewalt als Spass zu. Schließlich empfinden 15 bis 16jährige Gewalt meist schon als selbstverständlichen Bestandteil von Radio. Dabei sind es nicht die ganz extremen Attacken, die auf Dauer wirken. Unterdrückung, Herabwürdigung und der Lächerlich-preisgeben werden als die häufigsten Formen von permanenter Gewalt im Radio benannt. Täter sind die Radio-Macher. Zu Opfern der Gewalt werden der Mitmoderator, der Hörer und Politiker oder andere Personen des öffentlichen Lebens. Meist haben die Opfer keine Chance sich der Gewalt oder Lächerlichkeit zu erwehren.

Insgesamt sei die Häufigkeit von Gewalt erschreckend, behauptet die Studie - trotz des meist nur sehr geringen Wortanteils. Die Landesmedienanstalten Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens, Auftraggeber der Studie, wollen sich des Problems zwar annehmen, haben aber kaum eine Chance, wirklich etwas zu verändern. Außer mit Programmbeobachtung und –kritik sowie Thematisierung des Problems können Sie auf die Privaten Veranstalter kaum Einfluß nehmen. Prof. Kurt-Ulrich Meyer, Präsident des Medienrates der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) befürchtet gar, dass die Gewalt in den Programmen weiter zunimmt. Eine Einbeziehung des Themenkreises bei der Lizenzierung neuer Programme lehnen die Landesmedienanstalten mit Verweis auf die bestehenden gesetzlichen Regelungen ab. Wozu dann die Studie, mag man sich fragen.

Dass das Problem existiert, liegt aber nicht allein am fehlenden Einfluß gesellschaftlicher oder staatlicher Gremien. Die Macher selbst, sollten hin und wieder darauf achten, wozu sie sich im Interesse der Quote missbrauchen lassen.

Michael Hiller

gewaltbuchk

Gewalt im Radio ist im Vistas-Verlag erschienen. www.vistas.de

ISSN 1612-6734
ISBN 3-89158-377-X

Euro 15,. (D)

Herausgeber ist die Arbeitsgemeinschaft der mitteldeutschen Landesmedienanstalten.

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