K35-0 

erscheint  9.12.2003

 

 

 

© DJV-Kurier 47, Dresden, 2003, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

 

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Medienkompetenz - ein Thema für Journalisten?

Experten diskutieren  -  der DJV bietet Hilfe

Dass in einer Expertenrunde eine einheitliche Meinung besteht, ist nicht zu erwarten. Um so mehr, wenn sich die Runde wissenschaftlich versteht und im Rahmen einer Konferenz an einer Hochschule stattfindet. Das Thema Medienkompetenz dürfte es nicht einfacher machen , in einem knapp einstündigen Disput zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Beim 3. Mittweidaer Medienforum wurde der Versuch unternommen... Vergebliche Liebesmüh?

Was bleibt sind wohl vor allem die wenigen dafür aber um so klareren theoretischen Säulen, die Prof. Heinrich Wiedemann anfangs in den Raum stellte. Medienkompetenz umfasst Medienkunde, Medienkritik, Mediennutzung und Mediengestaltung. Sie hat technische, soziale, Bewältigungs- und Orientierungsaspekte.

Ist Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation im sächsischen Bildungswesen? Die Frage bestimmte das Thema, nicht aber die Diskussion. Die Wirtschaft braucht medienkompetenten Nachwuchs, kann aber  nicht richtig definieren wie dieser aussehen soll. Das Arbeitsamt ist für Medienkompetenz, weiß aber nicht, in welchem Umfang sie nötig ist und noch weniger wie sie vermitteln soll. Die Schule fühlt sich wieder mal als Prügelknabe, möchte aber gern vermitteln und klagt über zu wenig entsprechende Ausrüstungen und ebenso wenig medienkompetentes Personal. Die Sächsische Landesmedienanstalt ist fest davon überzeugt mit ihren SAEK tatsächlich etwas für mehr Medienkompetenz zu tun, „verwaltet“ aber unter ihrer großen Schar sächsischer Medien aber jede Menge Schwarze Schafe. (Die Quoten lassen grüßen....)

Wie könnte der perfekte medienkompetente Bürger aussehen? 

Er sollte wissen, welche Medien es gibt, wie sie funktionieren, wem sie gehören, wie sie sich finanzieren, was er von Ihnen an Glaubhaftem öder Unterhaltendem erwarten kann. Und er sollte die Medien vernünftig einsetzen für Information, Bildung und Unterhaltung oder die Betreuung der Kinder... Aber gibt es in irgendeinem Bereich den perfekten Menschen? Nein, wir sind immer irgendwie unperfekt! Erziehung und Bildung machen deshalb einen Sinn. Das sächsische Kultusministerium arbeitet derzeit an neuen Lehrplänen. Vielleicht kommt dabei ein Fach Medienkunde heraus, wie es in Thüringen bereits existiert. Und vielleicht geht das Kultusministerium ja auf den Vorschlag des DJV Sachsen ein, bei der Anleitung der Lehrkräfte auch auf medienkompetente freiberufliche Journalisten zurückzugreifen. (Ein entsprechendes Angebot liegt dem Kultusministerium seit Mitte November 2003 vor.)

Medienkompetenz muß nicht umstritten bleiben. Was die Experten noch nicht zusammenführt, hat das Leben vielleicht längst getan: Kinder und Jugendliche lesen  a u c h  Bücher und Zeitungen, Veteranen sitzen  a u c h  am Computer und schreiben Emails. Aufklärung und vernünftiger Umgang kann allerdings nie schaden. Denn da wird über die Rundfunkgebühr genauso gewettert, wie über die Werbung oder die Angebote bei den Privaten.

Michael Hiller