K35-0 

erscheint  9.12.2003

 

 

 

© DJV-Kurier 47, Dresden, 2003, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

 

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Durchgereicht:

Böttcher
        & Fischer

24mikrok

Nach PSR und Hitradio Antenne nun bei der R.SA-Morningshow

-Ist eure neue „Amtszeit“ ein Neuanfang oder sagt ihr: Wir machen dort weiter, wo wir aufgehört haben?

Böttcher: Es ist jeden Tag ein Neuanfang... Vor allem, wenn du jeden Morgen um drei aufsteht ...

Fischer: Natürlich ist es ein Neuanfang. Wir haben zwar viele Jahre Radio gemacht, aber eben fast drei Jahre nicht. Das darf man nicht vergessen. Wir wissen, dass diese Branche eine sehr schnelllebige ist. Da gerät man schnell in Vergessenheit, weil es viele interessante, neue Produkte gibt. Dann hat sich die Welt ja auch gedreht; es ist in der Zwischenzeit allerhand passiert. Deshalb ist es wirklich ein großes Experiment.

Das Schöne daran ist, dass wir mit weniger Druck daran gehen als noch vor ein paar Jahren. Damals wollten wir unbedingt Marktführer werden, wollten die Besten und die Größten sein. Das ist jetzt anders.

-Den Menschen da draußen sind Böttcher & Fischer ja  sicherlich noch ein Begriff. Die Leute haben aber dadurch sicher auch bestimmte Erwartungen, weil sie ja wissen, wie ihr wart. Setzt euch das nicht auch ein bisschen unter Druck?

Böttcher: Mich nicht.

Fischer: Das ist mit Sicherheit ein zweischneidiges Schwert. Das Verrückte ist ja, dass man sich immer die guten Sachen aus der Vergangenheit merkt. Sicherlich können sich einige Radiohörer noch erinnern, zumal es damals noch nicht so viele Radiosender gab: Ach ja, Böttcher & Fischer, das war frühmorgens, und das war immer ganz witzig, haha. Das heißt aber nicht, dass das heute noch jemand hören will. Den Beweis müssen wir erst noch antreten, ob das wirklich jemand einschaltet.

    -Wie ist die Resonanz nach den ersten zwei Monaten, die ihr jetzt on Air seid? Und wie ist eure persönliche Bilanz?

Böttcher: Also meine Frau sagt, sie hört’s nicht mehr.

    -Hat sie’s früher gehört?

Fischer: Da war’s ’ne andere Frau.

(beide lachen)

Fischer: Es ist ja nicht ohne Grund passiert, dass wir beide auseinander gerannt sind vor fast drei Jahren.

Böttcher: Du warst schuld!

Fischer: Wir waren an einem Endpunkt angekommen. Das Produkt, was wir hergestellt haben, war nicht mehr gut. Wir haben uns auch intern nicht mehr verstanden, es gab verschiedene Querelen.

Böttcher: Du warst schuld!

Fischer: Und dann ist ’was sehr Schönes passiert, was witzigerweise bis heute anhält: Wir gehen nicht mehr mit so viel Druck da rein.  Vielleicht liegt’s wirklich daran, dass wir ein paar Tage älter geworden sind, ein bisschen ruhiger geworden sind. Auch ich hab’ jetzt Familie. Ich war damals immer so ehrgeizig, wollte den Böttcher immer ändern. Ich wollte, dass der immer so ehrgeizig, diszipliniert und ordnungsliebend wird wie ich ...

Böttcher: Da war er aber an der falschen Adresse.

Fischer: Der Böttcher hat ja auch nie verstanden, warum ich immer pünktlich zur Arbeit kam – er war nie pünktlich.

Böttcher: lacht

Fischer: Ich bin jetzt ein bisschen ruhiger; alles ist einen Tick entspannter. Und das macht natürlich die Atmosphäre aus. Seitdem wir hier sind, haben wir auch mit den Kollegen eine lockere aber um so kreativere Arbeitsatmosphäre. Hoffentlich bleibt uns das noch lange erhalten! Das ist einfach eine neue Erfahrung.

    -Apropos lockere Arbeitsatmosphäre: Hinter dem, was ihr macht, steckt ja harte Arbeit. Wie viel Prozent von dem, was ihr da „blödelt“,  ist spontan, wie viel Prozent ist gut durchdacht?

Fischer (zu Böttcher): Prozentrechnung – du oder ich?

Böttcher: Null.

Fischer: Es ist harte Arbeit. Das fängt schon mit dem Weckerklingeln an: Spätestens drei Uhr ist die Nacht zu Ende. Wenn man seine Arbeit einigermaßen ernst nimmt, bereitet man den Job auch ordentlich vor. Man muss früh morgens wissen, worüber die Leute reden. Es greift ja eigentlich zu kurz, wenn wir sagen: Wir machen eine Blödel-Sendung. Das ist zwar das, was am Ende rauskommt. Man findet mit so einem Produkt in diesem Gesamtmarkt ja nur dann eine mehrheitsfähige Akzeptanz, wenn es gelingt, die anderen Grundbedürfnisse - die ja wichtiger sind, als das kleine Quäntchen, das den Unterschied zu den anderen Programmen ausmacht - auch befriedigt: Die Menschen wollen ihre Musik hören, die möchten auch erfahren, was über Nacht passiert ist, der Service spielt eine große Rolle... Das möchte man also schon wissen, bevor man in die Sendung geht. Und danach setzt eigentlich erst das an, was wir hoffentlich leisten können: die Unterhaltung und der Spaß. Und da ist auch vieles vorbereitet.

Böttcher: Wann machst denn du das?

Fischer: Und wenn’s ein Kalauer ist: Der muss mitunter vorbereitet sein, damit er auf den Punkt kommt. Ich würde sagen, dass die Hälfte der Sachen, die man on Air hört, geplant ist. Allerdings kommt mitunter ’was anderes raus, als man geplant hat. Aber das ist auch sehr schön so, weil dann die Spontaneität in der Sendung hinzukommt. Es gibt solche Tage, wo es einfach „fließt“: Du gehst gut vorbereitet in die Sendung rein, die Hörer machen mit... Und wenn du diese Vorbereitung an manchen Tagen nicht gehabt hätte, wär’s sicherlich ganz anders gelaufen. Komisch, oder?

Böttcher: Es gibt aber auch Tage, da hast du alles vorbereitet und alles ist fertig, und dann gehst du in die Sendung - und machst ’was ganz anderes.

    -Uwe Fischer ist ja  eher derjenige, der den Hut auf hat  und auch dafür sorgt, dass alle Elemente der Sendung zusammen passen - Thomas Böttcher „blödelt“ dafür. Wer von euch beiden hat den schwereren Job? 

 Böttcher: Die Aufteilung ist von dieser Warte her gut: Ich habe nichts zu tun und er hat die ganze Arbeit... Der muss ja das ganze auch zusammenfahren, muss die bunten Knöpfchen drücken...

Fischer: Zur Sendung gehört ja heutzutage dazu, dass man auch die Technik mit bedient. Das ist auch ein großer Vorteil, weil man dadurch die Dynamik und den Gesamteindruck der Sendung beeinflussen kann. Aber es bedeutet eben auch mehr Arbeit. Da muss das Zeitmanagement eingehalten werden, die Nachrichten zur vollen Stunde kommen, die Werbekunden bedacht werden usw.. Und das ist schon stressig.

Böttcher: Er macht schon den für mich schwierigen Job. Ich hab’ das ja auch eine Zeit lang gemacht und ich weiß’, dass das anstrengend ist, sich auf die Inhalte zu konzentrieren und nebenbei noch 50 Knöpfe zu drücken, den Zeitplan durchzurechen, zu gucken ob das Telefon, ob jemand reinkommt und ob ich auch da bin... Ich bin ja auch nicht immer da ...

Fischer: Raucherecke!

Böttcher: Das ist schon bei weitem der schwierigere Job. Ich bin im Grunde nur mit. Mein Job besteht nur darin zuzuhören was der sagt. Und dann entsprechend zu reagieren.

Fischer: Wir haben momentan – es möge noch lange so sein – eine optimale Aufteilung gefunden. Es ist für uns sehr von Vorteil, dass wir uns als Typen nicht verstellen und nicht  schauspielern müssen. Stattdessen verkörpern wir zwei Milieus – natürlich überhöht – die hier in Sachsen mehrheitsfähig vorkommen: das traditionelle „Arbeiter- und Bauern-Milieu“ einerseits, andererseits gewissermaßen die Gewinner der Wende.

Ich wiederum würde allerdings sagen, dass der Thomas Böttcher den schwierigeren Job hat. Meine Arbeit kann ich wirklich gut vorbereiten – das kommt mir wiederum zu passe, weil ich so ein bisschen der Analytiker von uns beiden bin. Ich habe einen Plan, ich weiß worum es geht, ich kann mich vorbereiten ...

Böttcher: Das geht mir völlig ab ... Da noch einen Plan zu machen, das ist das letzte ...

Fischer: Meine Aufgabe besteht dann darin – wenn man es auf den Fußball beziehen würde - den „Mittelstürmer“ richtig einzusetzen. Böttchers Aufgabe besteht darin zuzuhören und ein Gefühl für die Situation aufzubauen, also zu überlegen: Wie „ticken“ die Hörer jetzt gerade? Und das kann er gut – wie seinerzeit bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 Gert Müller. Über den hat man immer gesagt: Der Mann hat von Fußball keine Ahnung! So ähnlich ist es auch bei Böttcher: Der hat von Radio keine Ahnung. Müller stand immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz, hielt seinen Fuß hin und der Ball ging rein. Nichts anderes muss Böttcher auch machen. –

Umgekehrt würde es nicht funktionieren. Das haben wir übrigens mal versucht, als wir unsere ersten „Gehversuche“ bei Radio PSR gemacht haben. Unsere erste gemeinsame Morgensendung sollte so laufen, dass Böttcher den „seriösen“ Typen verkörpert. Der ein bisschen verrückte Side-Kick sollte ich sein. Das war unglaublich schlecht. Dann hat es sich also ganz schnell rauskristallisiert, dass es anders herum offensichtlich gut ankommt.

Böttcher: Was uns zu Gute kommt, ist, dass wir uns nicht verstellen. Wir spielen nichts. Das ist wirklich so ein Verrückter: Wenn du den zu Hause besuchst – der hat einen Plan, der hat alles geordnet. Da dreh’ ich durch! Bei mir findest du nichts! Es ist wirklich so: Wir machen on Air nichts anderes als im privaten Leben. Wenn uns Hörer im Studio besuchen, die sagen dann immer: Wir hätten nicht gedacht, dass ihr auch so seid, wenn das Mikro aus ist.     

    -Empfindet ihr das als Kompliment?

Es macht uns ja die Arbeit leicht. Es ist sehr schön, dass es momentan so ist und auch früher lange Zeit so war, dass wir damit offenbar die Hörer glücklich machen können. Nun kann aber ab morgen der Wind anders wehen. Vielleicht kommt dann gerade diese Art sich zu präsentieren und Themen aufzubereiten nicht mehr so gut an. Dann werden wir es besonders schwer haben, uns auf eine neue Situation einzustellen. Wenn wir beim Theater wären, würde man sagen: Der Böttcher ist ein Charakterschauspieler. Wie Willi Millowitsch, der nur eine Rolle konnte – aber das perfekt. Und das ist ein großer Vorteil, aber wir werden sehen...

Böttcher: Man wird aus uns keine gecastete Boygroup machen, die dann immer im gleichen Anzug und nach Regieangaben etwas zu machen hat.

Fischer: Das Interessante an dieser Konstellation ist für mich als Macher, dass du jeden Tag das wahre Leben erleben kannst – gerade im Kontakt mit den Hörern. Dass man Gefühle und Meinungen aus den Leuten „rauskitzeln“ kann, die man ihnen - wenn sie sich bewusst wären, dass sie wirklich in einem großen Medium auftreten – vielleicht gar nicht entlocken könnte. Das passiert zum über den Charakter Böttcher.

    -Was unterscheidet die Zeit jetzt von der bei PSR - neben der relaxteren Herangehensweise?

Böttcher: An dem, dass wir älter geworden sind, ist schon viel dran. Wir sagen uns jetzt mittlerweile auch die Meinung. Das war vorher etwas schwierig. Aber das macht jetzt vieles einfacher.

Fischer: Das ist ja bei jeder Arbeit so: Wenn das Betriebsklima nicht stimmt, dann kannst du’s vergessen. Als wir bei Radio PSR auf Sendung gegangen sind, waren wir zum einen Anfänger. Zum anderen gab es auch nur dieses eine Radio. Und das war natürlich eine komfortable Situation und eine tolle Zeit. Es war vor allem Gelegenheit als unerfahrenes junges Talent etwas aufzubauen, Zeit zu haben. Das ist jetzt ist das anders. Jetzt gibt es einen großen, hartumkämpften Radiomarkt in Sachsen. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin bei einem kleinen, noch unbekannten aber sehr hoffnungsvollen Sender die Tür aufzustoßen für Menschen, die die Musik und das Profil mögen. Und da kommt uns eines zu passe, was wir vor zehn Jahren noch gar nicht kannten und noch gar nicht kennen konnten: das Leben. Ich konnte doch mit Anfang 20 keinem 40-Jährigen erklären, wie er mit seiner Familie umgehen soll und welche Meinung er zum Thema Rente haben kann. Da können wir jetzt mitreden. Und das macht vieles interessanter und leichter.

Böttcher: Als wir angefangen haben, haben wir unheimlich viel über Lifestyle und vermeintlich Prominente, über die ’was in der BILD-Zeitung stand, berichtet. Heute findet so ’was fast gar nicht mehr statt. Heute geht’s um die Gesundheitsreform, Autobahngebühren und die Rente natürlich – weil wir genau wissen: Wenn uns das interessiert, wird’s sicher den einen oder anderen da draußen auch interessieren. Und uns interessiert das, wir sind ja nun in dem Alter. Obwohl der älter aussieht, das muss ich dazusagen...

Fischer: Es gibt ja ganz klare Prioritäten bei den Leuten. Wir reden von den Hörern, die Mitte 30 bis Mitte 50 sind – die also schon Familie und vielleicht sogar schon große Kinder haben. Was sind deren Prioritäten? Zum einen: Sie haben Riesenschiss davor, dass sie morgen keine Arbeit mehr haben – falls sie überhaupt welche haben. Dann, dass sie möglichst lange gesund bleiben. Und drittens: dass sie ihre Familie ernähren können. Zudem bewegen sich viele in der zweiten Hälfte des Lebens, da spielen Verlustängste eine Rolle usw. Das sind alles Dinge, über die du mit 20 nicht nachdenkst.

Dabei ist ja das, was wir am Morgen machen, zwar vordergründig ein Riesespaß, und da ist auch viel Nonsens dabei. Aber hin und wieder – und das macht wirklich den Reiz aus – geht’s ja auch darüber hinaus: Wenn du es schaffst, frühmorgens einer frustrierten Frau aus Döbeln, die schon die 150. Bewerbung geschrieben hat und wiederum abgelehnt worden ist, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, und sie vielleicht an diesem Morgen den Mut schöpft, auch die 151. Bewerbung zu schreiben, dann haben wir doch alles richtig gemacht!

    -Ihr habt ja in den Jahren nach PSR verschiedene Sachen gemacht, und sicherlich auch nicht völlig den Kontakt zueinander verloren. Wie ist es aber letztlich dazu gekommen, dass ihr jetzt wieder gemeinsam vor dem Mikro steht? 

  Fischer: Offensichtlich hat man sich vorstellen können, dass wir gut zum Team passen. In all die Jahre haben wir beide ja kein gutes Verhältnis gehabt. Es ist wirklich so gewesen, dass wir nach all den Jahren an einem Punkt angekommen waren, wo Gefühle und Stolz so sehr verletzt waren, dass man wirklich nicht mehr darüber reden konnte. Und es war leider auch niemand da, da der uns an die Hand genommen hat und gesagt hat: Kommt her, ihr beiden Streithähne, jetzt atmet mal tief durch: Überlegt mal, was ihr alles habt und was ihr aufs Spiel setzt und jetzt rauft euch mal zusammen, denn das ist es alles nicht wert. Nein, da gab es eher noch Trittbrettfahrer, die dann erst recht Öl ins Feuer gegossen haben. Also, bei uns war Funkstille. Aber nichtsdestotrotz haben wir aber natürlich über all die Jahre den Kontakt zu den Kollegen gehalten.

Böttcher: Da hat man sich da mal gesehen, und dort mal getroffen und irgendwann...

Fischer: Wir haben ja miterlebt, dass R.SA neu an den Start ging und offensichtlich eine Hörerschicht um die 40 anpeilte. Das war für uns sehr interessant zu hören. Und dann haben wir festgestellt, dass dieses Konzept offensichtlich funktioniert. Schließlich sind wir an einen Punkt gekommen, wo wir mit den Kollegen darüber gesprochen haben, ob es vielleicht sinnvoll wäre über eine gemeinsame Zukunft nachzudenken. Da wurde ganz schnell klar, dass wir zwei alte Haudegen - die sich nicht mehr vor 20-Jährige stellen können, weil wir gar nicht mehr wissen, was deren Leben ausmacht ....

Böttcher: Ich weiß das...

Fischer: ... dass wir mit der Erfahrung, die wir gesammelt haben, da vielleicht dazupassen. Das sind also wirklich Zufälle gewesen, auch, dass wir uns privat wieder angenähert haben. So haben wir beispielsweise zusammen Theater gespielt. Zudem konnte man darauf hoffen, dass vielleicht der eine oder andere Hörer sagt: Mensch, Böttcher und Fischer, hab’ ich schon mal gehört. Es war allerdings nicht so, dass einer kam und gesagt hat: Wir brauchen euch. So groß war die Not ja nun wirklich nicht, im Gegenteil.

Es ist wirklich eine Kette von glücklichen Ereignissen gewesen - Zufälle soll es ja nicht geben. Auch, dass wir vor einem Jahr diesen privaten Zwist beendet haben – ich saß ja zu dieser Zeit noch in Mecklenburg-Vorpommern. Da rief der Böttcher eines Tages an, nachdem wir zwei Jahre nicht miteinander gesprochen hatten. Das war, als wenn eine Last von dir abfällt – ohne, dass es zu diesem Zeitpunkt irgendeinen Gedanken daran gab mal wieder gemeinsam zu arbeiten. Dass wir dann ein halbes Jahr später wieder auf der Theaterbühne stehen würden, hätten wir zu diesen Zeitpunkt natürlich nicht gedacht.

    -Was habt ihr denn da gemeinsam gespielt? 

Das ist das erste sächsische Mundarttheater, das es seit einem guten Jahr gibt. Das ist ein Projekt, welches mit Mitteln einer Brauerei ins Leben gerufen wurde, in Radeberg. Es wird ein Schwank aufgeführt, also Volkstheater. Und da haben wir zum ersten Mal wieder gemeinsam auf einer Bühne gestanden, mit anderen Schauspielern zusammen. Und was hat Böttcher natürlich gespielt? Den Dorftrottel Uli, was denn sonst! – Dass wir dann, ein halbes Jahr später, zusammen im Radiostudio standen, das ist wirklich verrückt!  

-Abgesehen mal davon, dass derzeit alles gut funktioniert und dass ihr wieder zueinander gefunden habt: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Böttcher: Die Fehler nicht zu vergessen, die wir gemacht haben...

Fischer: Ernsthafte Worte von Herrn Böttcher... Was heißt, die wir gemacht haben: Die du gemacht hast ...!

Böttcher: Pass’ mal auf, du warst schuld...! - Lass’ uns mal nicht so sehr über die Zukunft nachdenken. Wir machen erst mal morgen und übermorgen und dann machen wir nächste Woche und dann sehen wir weiter...

Fischer: Genau. Dessen will ich mich auch gern befleißigen, gerade, weil ich immer so ein großer Stratege und Planer sein wollte. Immer wieder hört man von weisen Leuten: Genieße die Zeit, die du jetzt erlebst, diesen Tag, dieses Jahr...

Böttcher: Und die haben recht!

Fischer: Ich glaube, jeder vernünftige Mensch hätte uns doch abgeraten nach dieser Zeit noch mal ins Radio zurückzugehen. Der hätte gesagt: Böttcher, du bist fast 40, Fischer, du hast Familie, jetzt kommt das zweite Kind – seid ihr wahnsinnig! Das geht vielleicht noch ein Jahr gut oder zwei, dann habt ihr das gleiche Problem wieder. Deshalb werden wir die Zeit genießen, wie sie ist. Es geht immer weiter. Und wir werden auch jetzt in dieser Zeit hier so viel mitnehmen – das reicht für drei Leben.

Das Interview führte Regina Raedler.