|
Herr Zeyer Sie sind d e r Finanzexperte des Journalisten-Verbandes in den Gremien der Versorgungswerk der Presse GmbH. Die positive Entwicklung des Presseversorgungswerkes hat in letzter Zeit einen spürbaren Dämpfer erhalten. Die Gewinnbeteiligung hat sich seit 2001 von 6,2 auf nunmehr 5,3 Prozent reduziert.
Das stimmt. Der Rückgang ist auf die stark gesunkenen Erträge aus Kapitalanlagen zurückzuführen.
Wackelt die Presseversorgung?
Nein. Das Versorgungswerk der Presse ist mit einem Versicherungsbestand von rund 9,5 Milliarden Euro und mehr als 153.000 Verträgen nach wie vor die größte berufsständische Altersvorsorgeeinrichtung auf Versicherungsbasis.
2002 hat das Versorgungswerk gegenüber dem Vorjahr nahezu unveränderte Beitragseinnahmen von rund 290 Millionen Euro verzeichnet. Die Leistungen (Einmalzahlungen und Renten) des Versorgungswerks an Versicherte wuchsen um 17 Prozent auf rund 276 Millionen Euro. Der Überschuss auf 85,5 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte er noch 125,7 Millionen Euro betragen. Die Presseversorgung ist also eine leistungsfähige Einrichtung.
Allerdings war das Geschäft der Presse-Versorgung im Jahr 2002 von der schwierigen Lage der Verlagshäuser gekennzeichnet. Der Neuzugang auf Grund der Altersversorgungs-Tarifverträge brach um 40 Prozent ein. Dies bedeutet 74 Millionen Euro weniger Neuzugang an Versicherungssumme. Der Rückgang konnte auch nicht durch eine Belebung im übrigen Neugeschäft kompensiert werden.
Ist das eine abgeschlossene Entwicklung?
Nein, der Rückgang im Neugeschäft hat sich auch im bisherigen Jahresverlauf fortgesetzt. Das ist jedoch nicht die einzige Folge, die von der wirtschaftlichen Krise, in der sich nicht nur die Medien, sondern die gesamte Volkswirtschaft befindet, ausgeht.
Welche weiteren Gründe sehen Sie?
Viele Redakteure scheiden aus der Festanstellung aus und haben danach Schwierigkeiten, die obligatorische Versicherung in unveränderter Höhe fortzuführen. Die Folge ist, dass die Versicherung teilweise beitragsfrei gestellt und nur der Eigenanteil beitragspflichtig fortgeführt wird.
Mit 170 Millionen Euro Versicherungssumme im Jahr 2002 beobachten wir das Fünffache der Beitragsfreistellung des Jahres 1999. Dieser Anstieg entfällt nicht allein auf Versicherungen im Rahmen des Obligatoriums, sondern auch auf freiwillige Versicherungen. Denn auch für die Freien und die Werbebranche sind die Zeiten härter geworden.
Ist darauf vielleicht auch eine Unzufriedenheit der Versicherten mit der Presseversorgungen abzuleiten?
Es ist ein schwacher Trost, dass Beitragsfreistellungen nicht aus Gründen der Unzufriedenheit mit der Presse-Versorgung erfolgen, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen und damit einen Vertrauensbeweis für das Versorgungswerk darstellen. Die Versicherten halten sich die Möglichkeit offen, zu einem späteren Zeitpunkt die bestehende Versicherung wieder in Kraft zu setzen und von unseren überdurchschnittlichen Leistungen zu profitieren.
Als Finanzexperte können Sie ja auch einschätzen, wie die gesamte Finanzpolitik des Presseversorgungswerkes zu werten ist, wie steht’s um die Kapitalanlagen?
2002 ist der Deutschen Aktienindex um 44 Prozent auf 2893 Punkte gefallen. Im Gleichschritt mit dieser negativen Entwicklung an den Aktienmärkten verlief die Talfahrt der Zinsen. Ende 2001 brachten zehnjährige Titel noch einen Kupon von durchschnittlich 5,27 Prozent. Ein Jahr später betrug dieser Wert nur noch 4,48 Prozent. Dies entsprach einem Rückgang um 15 Prozent.
Die wichtigste Quelle der Überschussbeteiligung der Presse-Versorgung sind die Erträge aus Kapitalanlagen, die zum überwiegenden Teil von den Zinsen festverzinslicher Wertpapiere bestimmt werden. Wenn wir in der Vergangenheit eine Überschussbeteiligung geleistet haben, die über dem aktuellen Marktzinsniveau lag, dann war dies nur durch die Auflösung von Reserven möglich. Nach der Aktienbaisse ist dieser Ausgleich allerdings nicht mehr darstellbar. Unsere Bewertungsreserven betragen nur noch etwa 1 Prozent.
Was ist die Folge?
Die Presse-Versorgung hat angesichts dieser Situation – wie nahezu alle anderen Versicherungsgesellschaften auch – für 2003 die Gewinnbeteiligung gesenkt.
Heißt dass, das die Presseversorgung im Ranking abgesackt ist?
Nein, mit unserem für 2003 deklarierten Satz von 5,3 Prozent befinden wir uns in der Spitzengruppe des Marktes. Der Branchendurchschnitt beträgt knapp 4,8 Prozent. Unsere Deklaration liegt damit gut 10 Prozent darüber. Natürlich ist die Enttäuschung über die Entwicklung der Gewinnbeteiligung groß. Es ist nachvollziehbar, dass vor allem bei lang laufenden Verträgen der deutliche Rückgang der für den Ablauf in Aussicht gestellten Leistungen eine schmerzliche Lücke hinterlässt.
Den Versicherten wurde also etwas vorgegaukelt, was die Presseversorgung nun nicht mehr halten kann?
Nein. Die Ablaufleistungen der Presse-Versorgung waren stets mit einem Vorbehalt versehen und wurden in der ausgewiesenen Höhe nicht garantiert. Es gab den Hinweis, dass nur dann, wenn die Gewinnbeteiligung über die gesamte Laufzeit der Versicherung unverändert beibehalten werden kann, die prognostizierte Ablaufleistung auch tatsächlich erreicht werden würde.
Was geschieht im Versorgungswerk der Presse, um besser auf die Finanzmärkte zu reagieren?
In den letzten Jahren haben wir unsere Kapitalanlagen mit Erfolg restrukturiert und das Risikomanagement verbessert. Es ist uns deshalb auch gelungen, flexibel auf die Veränderungen an den Finanzmärkten zu reagieren. Beispielsweise haben wir die Aktienquote von ehemals gut 11 auf 4 Prozent gesenkt. Unser Portfolio von insgesamt rund 4 Milliarden Euro ist so strukturiert, dass wir den so genannten Stresstest der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in seiner strengen Form bestanden haben. Stresstest in seiner verschärften Form heißt, dass das Portfolio einen Rückgang der Aktienkurse um 35 Prozent und der Rentenwerte um 10 Prozent verkraften kann, ohne die Garantieverzinsung – aktuell 3,25 Prozent – zu gefährden.
Wie steht’s um die neuen Produkte der Presseversorgung zur „Riester-Rente“ und der betrieblichen Altersversorgung?
Die „Riester-Rente“, als künftiger Umsatzträger mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, fand bei weitem nicht so viele Nachfrager wie erhofft. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die von der Rürup-Kommission geplanten Vereinfachungen bei der Riester-Rente in den kommenden Jahren das Produkt zu einem Erfolg führen.
Eine deutliche Belebung durch das Rentenreformgesetz erfuhr die betriebliche Altersvorsorge. Das im Rentenreformgesetz verankerte Recht auf Entgeltumwandlung führte dazu, dass vor allem die Pensionskassen einen großen Zulauf verzeichneten. Die Möglichkeit der Entgeltumwandlung nach § 3 Nr. 63 Einkommensteuergesetz erfreut sich großer Beliebtheit. Die Steuerfreiheit der umgewandelten Beiträge sowie die bis 2008 befristete Sozialversicherungsfreiheit reduzieren die derzeitige Belastung für eine Altersvorsorgemaßnahme deutlich.
Seit Herbst 2002 gibt es die Presse-Pensionskasse. Wie wird sie angenommen?
Angesichts der relativ kurzen Zeit, die im vergangenen Jahr für die Akquisition der Presse-Pensionskasse zur Verfügung stand, können wir mit den Anfangserfolgen zufrieden sein. Bis Ende Juni 2003 haben 110 Unternehmen Gruppenverträge mit der Presse-Pensionskasse abgeschlossen. Der Neuzugang in den ersten sechs Monaten belief sich auf 345 Einzelrisiken mit einer Bestandsversicherungssumme von 20 Millionen Euro.
Das Gespräch führte Michael Hiller |