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Freie als "Super-Billig-Gewinner?"
Über Kosten und Gewinne in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
Landauf landab werden in diesen Tagen „Honorare korrigiert“, weil es offenbar journalistische Dienstleister für jedes Honorarniveau in ausreichender Zahl gibt.
Und wo Verlage, Sender und Agenturen journalistische Arbeit ausgliedern, sind Freie „die Gewinner“. Selbstverständlich zu deutlich geringeren Kosten. Und trotzdem sollen auch sie davon leben und existieren können. Gewinner und Verlierer zugleich. Wie kann das funktionieren? Was ist zu tun, um die Honorareinnahmen zu steigern oder die Kosten zu reduzieren? Was sollten Freie tun, um sich „neu aufzustellen“ und andere Aufträge zu akquirieren? Tipps und Hinweise von Wolfgang Kiesel, Autor des DJV-Ratgebers „Von Beruf: Frei“. Das Buch erscheint jetzt in einer dritten aktualisierten und erweiterten Auflage.
Der Redaktionsleiter einer Wochenzeitung, Gast einer DJV-Diskussion, schien ehrlich überrascht: „Was – unser Wettbewerber zahlt den Freien nur 7 Euro fürs Bild? Wenn das meinem Verleger zu Ohren kommt, müssen wir sofort unsere Honorare nach unten anpassen!“ – Wieder ein Auftraggeber mehr, bei dem für die freiberuflich tätigen Mitarbeiter das Bild eigentlich nur noch als Platzhalter für eine magere Gesamtkalkulation aus Text und Bild dient.
Auch dort, wo es keine aktuellen Kürzungen gibt, erweisen sich rigorose Sparrunden oft als unabdingbar. „Stimmt mein Verhältnis aus Kosten und Erträgen noch? Im Mittelpunkt aller Kürzungsbestrebungen müssen die umsatzunabhängigen Festkosten stehen. Zum Beispiel der KSK-Beitrag. Monatlich lässt sich die Höhe des Arbeitseinkommens dort neu festlegen. Rund 170 Euro Prämie pro 1.000 Euro Arbeitseinkommen muss der Freie aufbringen. Wer die Angaben bei der KSK dem reduzierten Einkommen anpasst, kann damit Kosten senken. Einkommenssteuer-Vorauszahlungen lassen sich im Dialog mit dem Finanzamt ebenfalls den veränderten Honorareingängen anpassen. Wer seine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung auf dem eigenen Computer fertigt, bleibt stets auf dem Laufenden und kann gegebenenfalls seine ungefähren Steueranteile errechnen. Wer dem Finanzamt Nachzahlungen schuldet, sollte sofort eine Stundung beantragen und mit dem Amt über Raten in verträglicher Höhe verhandeln. Die zu zahlenden Zinssätze liegen deutlich unter denen, die beispielsweise für ein überzogenes Konto zu berappen sind.
Ein besonderes Thema sind Leasingverträge. Wenn Freiberufler in guten Zeiten sich zu langfristigen Raten fürs Auto, für Büroausstattungen oder anderes entschieden haben, kann es bei plötzlich reduziertem Einkommen eng werden! Auch hier hilft der Kontakt zum Gläubiger. Leasingbanken sind sehr oft bereit, die Laufzeit von Verträgen zu kürzen und Darlehnsgeber, die in erster Linie ein Interesse daran haben, an ihr Geld zu kommen, lassen sich deshalb durchaus auf längere Abzahlungsstrecken ein.
„Und was nun?“
Wer sein „Mindesteinkommen“ kennt, wer weiß, wo seine „persönliche schwarze Null“ liegt und kann seine Tages- oder Stundensätze kalkulieren. Und spätestens dabei wird klar, bei welchen Aufträgen der oder die Freie „rote Zahlen“ produziert. „Das Vorhandene sichern und Neues suchen!“ – gilt in solchen Situationen als wichtigste Parole.
Eine ganz entscheidende Größe dabei ist die eigene Position aus Image, handwerklichem Ansehen, Bekanntheit „am Markt“ und den Zugangsmöglichkeiten zu den gewünschten Inhalten. „Sich verkaufen“ ist trotz aller gern gesehenen Bescheidenheit von hoher Priorität. „Was traut man mir zu, was kann ich leisten, womit soll ich „glänzen“ – lauten die selbstkritischen Spiegelstriche, hinter denen sich die Beurteilung des eigenen Images, die journalistische Erfahrung und die Bereitschaft verbirgt, auch über die traditionellen Grenzen unseres Berufes hinaus tätig zu werden.
„Medienarbeiter gestalten Kommunikationsprozesse zwischen verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen“ – könnte eine zukünftige Positionierung vieler Freiberufler heißen: Multiplikatoreninformationen in gedruckter Form, interne Kommunikation, Intranet-Dienstleistungen und vieles andere mehr verbergen sich dahinter. Man muss sich aufstellen und Neues suchen ...
Wolfgang Kiesel |