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erscheint 25.9.2003

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© DJV-Kurier 46, Dresden, 2003, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

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Gute Ideen gefragt

Na, dann lassen sie sich mal was einfallen! Egal ob die Aufforderung von außen kommt oder ob wir selber wissen, dass es notwendig ist -gerade in Zeiten knapper Ressourcen sind gute Ideen Gold wert. Wenn uns nur immer etwas einfallen würde! Leider kommen die guten Ideen und Lösungen nicht immer von allein und vor allem nicht immer zum richtigen Zeitpunkt. Die gute Nachricht ist: wir können unserem Kopf auf die Sprünge helfen.

Wie läuft ein kreativer Denkprozess ab?

In der ersten Phase, auch die logische Phase genannt, erfolgt basierend auf der Problemstellung die Problemanalyse und die notwendige Informationssammlung.

In der zweiten, der intuitiven Phase werden die Probleme unbewusst verfremdet und verarbeitet. Aus diesem Prozess des „Problem-Wälzens“ entstehen dann die kreativen Ideen. In der Auseinandersetzung mit dieser Auswahl werden nun bedeutsame Elemente und Kombinationen bewusst erkannt. Es erfolgt das aha Erlebnis, die Problemlösung.

Diese zweite Phase ist enorm wichtig. Ihr Erfolg hängt wesentlich davon ab, wie es gelingt das Unterbewusstsein unter dem jeweiligen Aspekt zu mobilisieren. Das Unterbewusstsein braucht Spielraum. Es ist daher notwendig, einen gewissen Abstand zum Problem zu erreichen. Eine entspannte, harmonische Atmosphäre ist der Findung eines Lösungsansatzes sehr zuträglich. (Das Einfache, was oft so schwer zu machen ist…)

Abgeschlossen wird der kreative Denkprozess mit der so genannten kritischen Phase, in welcher die Ideen hinsichtlich ihrer Verwertbarkeit analysiert und bewertet werden. Bewertungskriterien können hier z.B. sein: Neuheit, Seltenheit, statistische Ungewöhnlichkeit, Richtigkeit, Brauchbarkeit, Wirksamkeit u.s.w…

Natürlich gib es eine ganze Reihe von Faktoren, die den individuellen Ablauf dieses Prozesses beeinflussen. So spielen bspw. kulturelle, emotionale und soziale Einflüsse eine große Rolle, auch die rationalen und intellektuellen Fähigkeiten der problemlösenden Person sind wichtig.

Generell kann man sagen: Die besten Ergebnisse hinsichtlich der Mobilisierung unserer kreativen Denkfähigkeit in Phase 2 werden immer dann erreicht, wenn es möglich ist, dass das Denken seine Richtung verändert und so dem Unterbewusstsein Raum lässt.

Wie können wir unsere kreative Denkfähigkeit unterstützen und fördern?

Über diese Frage ist in vielen Büchern viel geschrieben worden. Auch im Seminarbereich gibt es immer wieder interessante Angebote zum Thema.

Im Folgenden seien nur einige wenige Methoden und Kreativitätstechniken benannt, die relativ schnell und leicht im (Arbeits-)Alltag angewandt werden können. Probieren Sie es aus!

Mind Mapping – die echte Alternative zu Checklisten:

Diese Visualisierungstechnik, die das natürliche freie assoziative Arbeiten unseres Gehirns unterstützt. Das Problem (Schlüsselwort) steht im Mittelpunkt, weitere Ideen breiten sich strahlenförmig um den Hauptgedanken aus. So entsteht ein beliebig erweiterbares Netz, eine Struktur. Die Technik des Mind Mapping eignet sich für alle Arten von Prozessvisualisierung, wo es auf Flexibilität und Übersichtlichkeit ankommt. (Mind Mapping geht übrigens auch am Computer.)

Der morphologischer Kasten – das kreative „Feintuning“:

Diese Methode eignet sich hervorragend zum Herausfinden von Alleinstellungsmerkmalen und Defiziten. Sie ist besonders gut geeignet für technisch analytische Denker und funktioniert ähnlich einem Diagramm oder einer Matrix. Für die Problemlösung müssen Parameter definiert werden, welche unabhängig voneinander, allgemeingültig und relevant, d.h. wesentlich sein müssen. Im zweiten Schritt werden die möglichen Ausprägungen der Parameter bestimmt. Daraus wird die gewünschte mögliche und schlussendlich optimale Kombination der Ausprägungen gesucht.

Die Kombitechnik – für Leute wie Sherlock Holmes:

Das hervorstechendste Merkmal dieser Technik ist: Systematik! Wer gut kombiniert kann fast alle Probleme lösen. Diese Methode ist gut geeignet für Erfindung von Namen und Slogans oder auch neuen Produkten sowie allgemeinen zum Brainstorming. Aussagefähige Botschaften und Synonyme in Form von Substantiven werden miteinander beliebig und auf ungewöhnliche Art kombiniert.

Die Extrem- bzw. Extensionstechnik – für Dramatiker:

Hier wird maßlos übertrieben, und zwar jedes einzelne Element des Ursprungsproblems. Dabei geraten die Vorstellungen, wie etwas normalerweise zu sein hat, ins Wanken und es wird eine neue Sichtweise sozusagen erzwungen. Methode ist einfach, verlangt aber die Bereitschaft, mit dem Utopischen und dem Absurden ganz ernsthaft zu spielen.

Die Arbeit über kreative Bildimpulse – einfach und genial

Hier wird willkürliche eine Fragestellung mit einem beliebigen Bild oder Foto verknüpft. Alle Aspekte oder Assoziation zu diesem Bild werden als Hinweise oder kreative Impulse auf die Fragestellung bezogen – hieraus entstehen Lösungsideen. Diese Methode ist sehr flexibel einsetzbar, sie regt das analoge(bildhafte) Denken an und schärft den Blick für die Möglichkeiten. Sie ist daher gut geeignet für Grundsatz- und Strategieüberlegungen, für Fragen nach dem Was und Wie.

Bei allen Techniken steht ein Prinzip dahinter: nicht am Problem festbeißen, sondern Distanz schaffen, entspannen und Denkrichtung verändern… Manchmal gelingt das im Ansatz auch schon bei einem Spaziergang durch den Herbst… ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und stets gute Ideen zur rechten Zeit.

Barbara Rauthe                                                                                             (frühere Artikel)