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"Anthony Porter ist schwarz und arm, also die Sorte Mensch, die in Illinois üblicherweise fälschlich in die Todeszelle kommt." Der das sagt, ist David Protess, Journalistik-Professor an der Northwestern University des amerikanischen Bundesstaates Illinois. Wenn er über den armen Schwarzen Porter erzählt, dann berichtet er nicht von Zuständen aus längst vergangener Zeit, sondern von seinem letzten Fall. Protess hat Porter 1999 das Leben gerettet. Der war 1983 zum Tode verurteilt worden, weil er zwei Menschen erschossen haben sollte. Zwei Tage vor dem Hinrichtungstermin erreichte Protess der Notruf einer Bürgerbewegung gegen die Todesstrafe. Der Fall wurde neu aufgerollt. Nach vier Monaten war Protess und seinen Studenten gelungen, was Porters Anwalt nicht geschafft hatte: die Unschuld seines Mandanten zu beweisen. Porter hat das 17 Jahre seines Lebens gekostet. "Ich glaube daran, daß Journalismus eine höhere Berufung ist - die Wahrheit zu finden und Ungerechtigkeiten zu korrigieren," sagt David Protess. Er und seine Studenten haben dazu beigetragen, daß im Bundesstaat Illinois seit dem 31. Januar 2000 keine Todesurteile mehr vollstreckt werden. Zu viele Unschuldige waren verurteilt worden. Ein Jahr nach der Bekanntgabe dieses Moratoriums wurde David Protess für seine Arbeit in Leipzig der erste Preis für "Freiheit und die Zukunft der Medien" zuerkannt. Er ist mit 25.000 Mark dotiert und wurde von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgetobt. Der Preis der Medienstiftung wird am 4. Mai 2001 in der Oper Leipzig verliehen. Menschen, die sich für die Sicherung der Meinungs- und Pressefreiheit und der Demokratie eingesetzt haben, sollen künftig jährlich mit diesem Preis ausgezeichnet werden und zwar auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Der zweite Preis (15.000 DM) geht in diesem Jahr an die SPIEGEL-Korrespondentin Renate Flottau. Sie lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in Belgrad und wird für ihre Berichterstattung vom Balkan geehrt. 10.000 Mark und damit den dritten Preis erhält Thomas Mayer, der Chefreporter der Leipziger Volkszeitung . Er initiierte 1999 die Leipziger Spendenaktion "Kosovo-Hilfe" und begleitete Hilfstransporte nach Montenegro. |
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Doch nicht nur dafür wird Mayer ausgezeichnet, sondern vielmehr für seine journalistische Arbeit, in deren Mittelpunkt "immer der schwache Mensch stand und steht", wie es in der Begründung für die Preisvergabe heißt. Mayer berichtete vor dem Kosovokrieg über die Kinder von Tschernobyl, die Straßenkinder von Bukarest und Moskau, die Sinti und Roma in Siebenbürgen und die Minenopfer von Sarajevo. Dass die Preise in der Rangfolge international, national, regional vergeben wurden, sei keine Absicht, sagte Hartwig Hochstein, Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung und Mitglied des Stifungsvorstands. Da der Preis erstmals ausgelobt wurde, seien nur "zwei Handvoll" Kandidaten in der Auswahl gewesen. Das soll sich “ändern. Der Preis soll natürlich bekannter werden und auch Leipzig bekannt machen. Nicht umsonst wurde der erste Preis an den angesehenen und schon mehrfach ausgezeichneten Journalisten Protess verliehen. In seinem Licht will auch Leipzig ein bißchen strahlen.
Stichwort: Medienstiftung der Sparkasse Leipzig
Gegründet anläßlich des 175jährigen Bestehens der Sparkasse Leipzig will diese Stiftung die Weiterentwicklung des Medienstandortes Leipzig unterstützen. Dazu fördert sie Projekte, will Stipendien vergeben und lobt den "Leipziger Medienpreis" aus. Stipendien sollen junge Journalisten und Seminargruppen bekommen, der Vergabemodus ist noch nicht bekannt. Die Projektförderung zielt auf Leipzig und die Region. Als erster profitiert der Studiengang Journalistik an der Uni Leipzig davon: eine Online-Lehrredaktion wird aufgebaut und mit Technik ausgestattet.
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