DJV Kurier 36 - die Mitgliederzeitschrift des DJV Sachsen

pfeilzuruck

Kurier Archiv

pfeilvor Djvschie
K35-0

erscheint  28.03.2001

© DJV-Kurier 36, Dresden, 2001, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

Anzeigen

© hpr dresden 2000

BuiltByNOF

Was Sie schon immer mal genauer wissen wollten....

Was ist eigentlich Coaching? 

“Coaching” – im Zusammenhang mit dem Sport ist uns dieser Begriff geläufig. Hier ist es völlig normal, dass ein Sportler einen Coach, einen persönlichen Trainer / Betreuer hat, der ihn bei der individuellen Entwicklung und Leistungssteigerung sowie bei Wettkampfvorbereitungen unterstützt und begleitet.

Aber immer häufiger begegnen wir dem Coaching-Begriff auch im ganz normalen Alltag.

Von Führungskräftecoaching ist die Rede, seminarbegleitend wird Coaching angeboten, ein Bekannter lässt sich coachen um privat einiges in Ordnung zu bringen, neuerdings fördert sogar das sächsische Arbeitsamt Existenzgründer, die sich im ersten Jahr ihrer Selbständigkeit coachen lassen. Die möglichen Ansätze sind vielfältig.

Wer lässt sich coachen und warum?

Ein gewisser Problemdruck, ausgelöst durch eine besondere Situation, ist oft der Anlass, ein Coaching zu suchen. Ob berufliche oder persönliche Neuorientierung, Konflikt- und Krisenbewältigung bzw. -vorbeugung, besondere Herausforderungen, persönliches Wachstum und Leistungssteigerung - um gut zu sein, brauchen wir qualifiziertes Feedback.

Natürlich reden wir mit Freunden, Familienangehörigen und Kollegen, aber bringt uns das mit dem Thema wirklich immer weiter? Nicht selten sind unsere Gesprächspartner zu stark in das Thema involviert, fachlich und/oder emotional überfordert oder haben ein Eigeninteresse (z.B. konkurrierende Kollegen). Echte Klärung wird auch verhindert durch die eigene Angst, Schwäche einzugestehen, “das Gesicht zu verlieren”, weil man seine Angelegenheiten gerade nicht oder nur unzureichend allein lösen kann.

Was ist nun Coaching?

Coaching ist gerade in turbulenten oder schwierigen Situationen eine “Insel”, auf der man persönliche Unterstützung, Freiraum zur Reflexion und Impulse für die strategische Bewältigung der jeweiligen Herausforderung findet. Das Grundziel eines jeden Coachings ist die Befähigung zu Selbsthilfe und Eigenverantwortung.

Maßgeblicher Ausgangspunkt und Prüfkriterium hinsichtlich expliziter Ergebnisse des Coaching sind die Ziele des Klienten. Implizierte Ergebnisse eine Coaching im Interesse der Nachhaltigkeit müssen sein: das Aufdecken von Wahrnehmungsverzerrungen

(z. B. “Betriebsblindheit”), von unangemessenen Verhaltensmustern sowie persönlich unökologisch gewordenen Werten, die Befähigung zu Selbstreflexion und -verantwortung. Coaching findet in mehreren Sitzungen statt und ist zeitlich begrenzt. Coaching ist keine Psychotherapie!

Was tut ein Coach?

Der Coach löst nicht die Probleme seines Klienten sondern er hilft ihm, seine Probleme selbst zu lösen. Der Coach ist dabei weder Freund noch Feind, sondern als unvoreingenommener und neutraler Partner den gemeinsam mit dem Klienten definierten Zielen verpflichtet. Aufgrund seiner Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und Kommunikationsfähigkeit, seiner praktisch-psychologischen und fachlichen Kompetenz ist er in der Lage, “blinde Stellen” beim Klienten zu erkennen und anzusprechen. Ein guter Coach ist standfest und bereit zur Konfrontation. Ein guter Coach hat die Fähigkeit, sich am Ende des Coachings wieder entbehrlich zu machen.

Unter welchen Voraussetzungen kann ein Coaching erfolgreich sein?  

Es muss freiwillig und vom Gecoachten selbst gewünscht sein, er ist von der Notwendigkeit der Veränderung überzeugt und bereit, Eigenverantwortung zu übernehmen. Respektvolle persönliche Akzeptanz und Vertauen müssen von beiden Seiten gegeben sein. Die im Coaching thematisierten Inhalte sind mit absoluter Diskretion zu behandeln, weil sich der Gecoachte nur so offen in den Prozess einbringen kann. Rahmenbedingungen und Methodik des Coaching-Prozesses müssen abgesprochen und für den Gecoachten durchschaubar sein.

Ihre Barbara Rauthe

“Ich vergleiche Coaching gern mit einer Bergtour. Der Klient muss den Willen und das Ziel haben, einen Gipfel zu erreichen. Der Bergführer hat für die entsprechende Vorbereitung zu sorgen, die nötige Ausrüstung und seine Erfahrung zur Verfügung zu stellen. Aber er wird niemand den Berg hinauftragen.” 

O.-G. Klein, Autor und Coach

Weitere Artikel