DJV Kurier 31 - die Mitgliederzeitschrift des DJV Sachsen

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© DJV-Kurier 31, Dresden, 1999, Vervielfältigung oder Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion

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Bei Wind und Wetter:
Streik für eine Herzenssache

Rund 200 SZ-Mitarbeiter mehr als drei Wochen im Streik

Das Thema bewegte seit die Tagen die Gemüter. Bei einer Beitriebsversammlung kochte es am 22. November 1999 endgültig koch: Die Lokalredaktionen der Sächsischen Zeitung sollen ausgegliedert werden. Unverholenes Ziel der Geschäfts- führung: Kostensparen um Gewinn zu maximieren. Bei einem Unternehmen, das im zurückliegenden Geschäftsjahr 24 Millionen DM Gewinn einfuhr, ein starkes Stück. Denn gespart werden soll ganz konret an den Gehältern von Redakteuren der Lokal- redaktionen und Mitarbeitern der sogenannten SZ-Treffpunkte. Über den Weg von Auslagerungen will das Unternehmen die betroffenen Mitarbeiter vom Haustarifvertrag abkoppeln. Beginnend mit den sechs Redaktionen in Bautzen/Bischoffs- werda, Freital/Dippoldiswalde und Pirna/Sebnitz sollen bis zum Sommer 2000 alle Lokalredaktionen ausgelagert werden. Über fadenscheinige Vertragskonstruktionen werden GmbHs installliert, die von wirtschaftlicher Selbstständigkeit weit entfernt sind. Statt irrsinniger Tarifverträge (SZ-Chefredakteur Peter Christ) sollen fragwürdige In-den-Arsch-Tret-Methoden (Doppelgeschäftsführer Gertoberens) leistungsstimulierend wirken. Nach dem Nasen-Prinzip will man zu erwartende Gewinne verteilen. Die SZ-Beschäftigten sind sauer, dokumentieren dies am 22. November schließlich in einen knapp zweistündigen Warnstreik, beginnen am 26. November eine Serie von Warnstreiks, die per Urabstimmung am 1. Dezember in einen unbefristeten Streik münden.

Die mit 40 Prozent Geschäftsanteilen an der Dresdner Druck und Verlagshaus GmbH & Co KG (DD+V) beteiligte SPD wird von den Streikenden massiv aufgefordert, ihre Zustimmung zu den Auslagerungen und damit zur Tarifflucht zurückzunehmen. Nach langem Hin und Her und zwei lautstarken Auftritten streikender SZler auf dem Berliner SPD-Parteitag kommen erste eindeutige Äusserungen aus dem SPD-Präsidium. Die Stimmung unter den Streikenden kocht hoch. Sie fordern von SPD und Geschäfts- führung: Nehmt die Auslagerungen zurück.

Die bereits vor Streikbeginn aufgenommenen Tarifverhandlungen zwischen den beteiligten Gewerkschaften DJV und IG Medien einerseits und der DD+V-Geschäftsführung andererseits können genau dieser Forderung allerdings nicht dienen. Unternehmerische Entscheidungen sind nicht tarifierbar.

Per Antrag auf Einstweilige Verfügung will DD+V die Streikaktionen für unrechtmässig erklären. Das Dresdner Arbeitsgericht stellt indessen die Legalität des Streikes fest. Die Tarifverhandlungen werden durch die Gewerkschaften zum Erhalt des Tarifvertrages auch in den ausgelagerten Bereichen geführt. Die Geschäftsführung lehnt dies wiederholt strikt ab. Die Verhandlungen müssen zunächst auf Nebenfeldern geführt werden. Die Streikenden, mit denen sich Redakteure und Beschäftigte aus Medienbetrieben in allen Teilen der Bundes- republik und des Auslandes solidarisieren, erreichen schließlich, dass die am 18./19. Dezember in konzentrierter Form geführt und abgeschlossen werden können. Mit einer Urabstimmung wird das Verhandlungsergebnis am 20. Dezember akzeptiert und der Streik beendet.        

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Chronik eines Streikes

 

September 99

Erste Informationen über möglich Auslagerungen

Oktober 99

Die Geschäftsführung teilt offiziell mit, dass sechs Lokalredaktionen und Treffpunkte ausgelagert werden sollen

15. Oktober 99

Aufforderung der Gewerkschaften DJV und IG Medien zu Tarifverhandlungen

30. Oktober 99

Gemeinsame Gewerkschaftsversammlung IG Medien DJV

Ausgliederung - Fluch oder Segen -Klares Votum gegen die Ausgliederung

Anf. November

Die Geschäftsleitung informiert die von der Auslagerung betroffenen über den Betriebsübergang

15. Nov. 99

Aufnahme von Tarifverhandlungen über Arbeitszeit, Urlaub und die Ausdehnung des Haustarifvertrages auf die vorgesehenen Ausgliederungen sowie die Zuständigkeit des Betriebsrates

22. November

Nach der Betriebsversammlung kommt es zu einem spontanen zweistündigen Warnstreik

26. November

ganztägiger Warnstreik

30. Nov. 99

am sechsten Warnstreik-Tag findet eine Urabstimmung statt - Eindeutiges Votum für unbefristeten Streik

1. Dez. 99

Beginn des unbefristeten Streiks

4. Dez. 99

Informationsveranstaltung der Geschäftsleitung und Informationsgespräch der Verhandlungspartner

6. Dez. 99

Wiederaufnahme von Tarifverhandlungen

7. Dez. 99

110 Beschäftigte protestieren beim SPD-Bundesverbandstag

am 8.12.99

spricht Detlef Hensche (IG Medien) vor den SPD-Genossen

8. Dez. 99

Die Geschäftsführung lehnt einen 8-Punkte-Forderungskatalog ab

18./19. Dez. 1999

Abschluß der Verhandlungen und Paraphierung der Ergebnisse

20. Dez. 1999

Urabstimmung - die Streikenden akzeptieren das Verhandlungsergebnis

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